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Kuba Krise - Deutschland
 
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Phillip
Gast





BeitragVerfasst am: 06. Jan 2012 16:20    Titel: Kuba Krise - Deutschland Antworten mit Zitat

Meine Frage:
Hallo Geschichteboard Mitglieder,
ich muss in Geschichte (12. Klasse- Abi) eine Ausarbeitung zur Kuba Krise
mit einem Unterpunkt Auswirkungen auf Deutschland und der Frage, ob
so eine Krise für Deutschland auch möglich gewesen wäre, machen.
Hättet Ihr Anregungen besonders zur Frage der Möglichkeit ?

Vielen Dank
Phillip

Meine Ideen:
Auswirkung auf Deutschland im Machtfeld der bipolaren Mächte
?
?
Widervereinigung



Zur Frage der Möglichkeit
Kennedys Absicht keiner Krieg in Deutschland zu führen,
angriff auf Berlin hätte Bündnis zwischen Frankreich, USA und England zur Folge gehbat.
DmitriJakov



Anmeldungsdatum: 15.11.2010
Beiträge: 164

BeitragVerfasst am: 06. Jan 2012 17:11    Titel: Antworten mit Zitat

Also die Frage, ob eine Kubakrise in Deutschland auch möglich gewesen wäre, hätte ich von einem Geschichtslehrer nicht erwartet, denn das zeugt eigentlich schon von einer ziemlich grenzenlosen Ignoranz und Inkompetenz als Historiker. Sowas sollte man nicht als Lehrer auf Schüler loslassen.

Die NATO Hatte bereits lange vor der Kubakrise direkt an der Grenze zu Russland Atomraketen stationiert, nämlich in der Türkei.

Das NATO Mitglied Frankreich weigerte sich, seine eigenen Atomraketen, die auf die Sowietunion gerichtet waren, einem gemeinsamen Kommando zu unterwerfen. Für die Sowietunion war das ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor.

Mit dem NATO Doppelbeschluss von 1979 wurden atomare Mittelstreckenraketen auch in Deutschland stationiert.

Wir hatten also mindestens dreimal die Gelegenheit für eine "Kubakrise" in Westeuropa bzw. in Deutschland.

Dass die Sowjetunion in diesen drei Fällen nicht so hysterisch reagiert hat, wie damals John F. Kennedy, liegt wohl daran, dass die Amerikaner sich schon immer in einer ganz besonderen Rolle gefühlt haben. Vor allem, dass sie sich auf ihrem Kontinent vor Angriffen weitestgehend geschützt fühlten. Dieses Gefühl der Sicherheit durch geographische Isolation wurde mit den Raketen auf Kuba plötzlich zerstört. Der Angriff auf Pearl Harbor war ja mitten im Pazifik, aber mit der Kubakrise hatte das amerikanische Mutterland völlig unvermittelt einen Revolver an der Schläfe.

Im Gegensatz dazu waren Bedrohungen an den Landesgrenzen für die Sowjetunion nichts neues. Napoleon ist bis nach Moskau gekommen, Hitler ist bis unmittelbar vor Moskau gekommen und hat in Leningrad und Stalingrad unsägliches Leid verursacht. Man hatte also in der Sowjetunion bereits Narben und Erfahrung mit existentiellen Bedrohungslagen und Angriffen innerhalb der letzten 150-200 Jahre gesammelt. Man wurde dort also nicht mehr so sehr davon aufgeschreckt und zu Kurzschlusshandlungen veranlasst, wie es im Weissen Haus während der Kuba Krise passiert ist.

Eine Kubakrise wäre also in Europa nie passiert. Dafür hatten wir die Berlin Blockade, den Aufstand des 17. Juni, den Prager Frühling, den ungarischen Volksaufstand

http://de.wikipedia.org/wiki/Berlinblockade
http://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_des_17._Juni
http://de.wikipedia.org/wiki/Prager_Fr%C3%BChling
http://de.wikipedia.org/wiki/Ungarischer_Volksaufstand

Das waren sozusagen die Kubakrisen Europas.
Phillip234
Gast





BeitragVerfasst am: 07. Jan 2012 00:41    Titel: Antworten mit Zitat

Ein riesen Lob für deine Antwort, hat mir sehr gut gefallen auch weil du richtig gute Beispiele gegeben hast. Vielen Dank



Wenn du dich so gut mit diesem Jhr. auskennst, gestatte mir noch eine weitere Frage: Welche Punkte findest du wichtig wenn man Deutschland in der Mitte der Supermächte beschreiben sollte ( natürlich nach der Kuba Krise). Was hat die Krise für Deutschland auf dem Weg zur Einheit gebarcht (evtl. Beispiele) ?
Brejnev



Anmeldungsdatum: 06.01.2012
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 07. Jan 2012 12:15    Titel: Antworten mit Zitat

Die Aufgabenstellung des Geschichtslehrers ist tatsächlich etwas merkwürdig. Sie passt nicht zur geostrategischen Lage Westeuropas. Auch der Vergleich mit der Nachrüstung mit Mittelstreckenraketen (NATO-Doppelbeschluss) hinkt, da es hier um eine zunächst einseitige Bedrohung Westeuropas durch die Modernisierung der SS20 Raketen der Sowjetunion ging.
Die Frage nach der Bedeutung der Kuba-Krise für die deutsche Einheit: da kann man nur von sehr langfristigen Auswirkungen der Krise sprechen. Aber diese gab es tatsächlich, wie etwa die Einsicht der Supermächte, dass die Kommunikation verbessert werden musste. Kennedy musste ja auf eine Fernsehansprache ausweichen um Chrustschow seine Botschaft mitzuteilen und dieser hat durch einen offenen Brief an den britischen Philosophen Bertrand Russel geantwortet. Dieses Vorgehen ist in einer akuten Krisensituation natürlich sehr zeitaufwendig: daher wurde nach der Kuba-Krise das sog. rote Telefon eingeführt, ein direkter Draht zwischen Washington und Moskau. Mit der Kuba-Krise begann eine Zeit der Entspannung zwischen den Großmächten, die bis in die späten 70er Jahre anhielt. Für Deutschland bedeutete diese Entspannung auch Annäherung der beiden Teile: KSZE-Prozess, Ostpolitik Willy Brandts, gegenseitige "Staats"-Besuche. Viele haben diese Annäherung für die Grundlage der späteren Wiedervereinigung gesehen (SPD), andere, besonders CDU-Anhänger haben die Rolle Helmut Kohls während des konkreten Wiedervereinigungsprozesses ab 1989 betont. Wieder Andere legen den Schwerpunkt auf die Politik Gorbatschows (Perestroika) und die dadurch möglich gewordene Protestbewegung in der DDR. Die Wahrheit liegt sicher in einer Mischung all dieser Faktoren.
Phillip234
Gast





BeitragVerfasst am: 07. Jan 2012 15:31    Titel: Antworten mit Zitat

Mir ist im Verlauf der Erarbeitung noch eine Unklarheit aufgekommen über die später nicht mehr so berichtet wird: Die Berlin Frage. Ich habe zwar gelsen, dass man während der Krise im weißen Haus dachte, dass die UdSSR hier ihre Position stärken wollte, aber dies war ja eine Fehleinschätzung.Auch war ja die Berlin Frage eine der Punkte zur Stationierung der Atomraketen. Hättest du zu der Frage, inwiefern die Berlin-Frage eine Rolle in den Kuba Verhandlungen spielte, noch Quellen ?
Brejnev



Anmeldungsdatum: 06.01.2012
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 07. Jan 2012 16:55    Titel: Antworten mit Zitat

Quellen kann ich spontan keine nennen. Es gab ja bei der Kuba-Krise keine Verhandlungen, da beide Seiten nicht miteinander gesprochen haben, jedenfalls nicht direkt.
Aber die Berlin-Frage hatte natürlich Auswirkungen auf die Stationnnierungsversuche der UdSSR. Die UdSSR befand sich ja 1962 in einer Position der Stärke. Aus mehreren Gründen: zum einen hatte die UdSSR einen Technologievorsprung, besonders bei der Raketentechnik. Dies ist der westlichen Welt ja beim sog. "Sputnik-Schock" klar geworden, als die UdSSR zum ersten Mal einen bemannten Raumflug erfolgreich absolviert hat und auch Raumflüge absolviert hat mit dutzendfacher Erdumkreisung. Das hat die Amerikaner tief beeindruckt. Außerdem haben die Amerikaner beim Bau der Berliner Mauer 1961 nicht militärisch interveniert, sondern die Sowjets einfach machen lassen. Dies entsprach zwar der Politik des Status Quo, nach der die Sowjets in ihrem Machtbereich tun konnten, was sie wollen, aber es zeigte den Westeuropäern und vor allem den Deutschen im Westen, dass die Amerikaner nichts für sie tun konnten und so hielt man sie für schwach und war verärgert darüber. Die Führung der UdSSR fühlte sich nach diesen Erfolgen sehr stark und man dachte, nun sei der Zeitpunkte für eine Raketenstationnierung auf Kuba günstig, zumal man den noch jungen Präsidenten Kennedy für schwach und unerfahren hielt. Ein Irrtum, wie sich herausstellen sollte...
Nach der Kubakrise waren die USA in einer neuen Position der Stärke, die sich u.A. in einer offensiveren Rolle der Amerikaner auch in Deutschland und vor allem in Berlin offenbarte (z.B. Kennedys Rede in Berlin "Ich bin ein Berliner")
Phillip234
Gast





BeitragVerfasst am: 07. Jan 2012 17:38    Titel: Antworten mit Zitat

Wobei man durchaus das verstreichen des Berlin Ultimatums von Chrustov (1958) als polt. Niederlage, in diesem Zeitalter der starken UdSSR werten konnte oder liegt hierbei der Focus eher auf der Verschärfung des Ost-West Konfliktes ?
DmitriJakov



Anmeldungsdatum: 15.11.2010
Beiträge: 164

BeitragVerfasst am: 07. Jan 2012 21:15    Titel: Antworten mit Zitat

Zur Kubakrise habe ich vor ein paar Wochen einmal Grabungen nach Quellen für eine andere Frage durchgeführt:
http://www.geschichteboard.de/htopic,3311,.html

Da kannst Du ja mal nachsehen, ob Du etwas brauchbares findest. Vor allem die englischen Quellen finde ich sehr aufschlussreich.

Falls das Thema aber eher lautet "Deutschland in der Mitte der Supermächte", dann sind wohl die Berlin-Blockade, die Luftbrücke, die Mauer, der 17. Juni, die Ost-Politik, 2+4 Verhandlungen die Stichworte, nach denen gesucht werden sollte.

Und obwohl der Nato Doppelbeschluss von Brejnev als hinkender Vergleich angesehen wurde, hat er für mich persönlich die gefährlichste Periode für Deutschland seit Kriegsende eingeleitet. Die extrem kurze Vorwarnzeit lies kaum noch Spielraum für die Information der politischen Entscheider. Man hatte die Entscheidung über Krieg oder Frieden fast vollständig in die Hand von Computern gelegt. Und es kam, wie es kommen musste, in Großbritannien schlug ein Computer Alarm und es wäre fast zum Atomkrieg gekommen, nur weil ein Computer gesagt hatte, die Sowjets haben Atomraketen gestartet.

Du kennst vielleicht den Film Wargames -Kriegspiele. http://de.wikipedia.org/wiki/WarGames_%E2%80%93_Kriegsspiele
Dieser Film verarbeitet den Vorfall. Nur der Schauplatz ist in die USA verlegt. Der Titel leitet sich übrigens ab von dem BBC Film "The Wargame" ab, den man sich besser mit leerem Magen ansehen sollte.
http://de.wikipedia.org/wiki/The_War_Game
DmitriJakov



Anmeldungsdatum: 15.11.2010
Beiträge: 164

BeitragVerfasst am: 07. Jan 2012 22:16    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe jetzt gesucht und gesucht, denn ich fürchtete, dass das von oben nur ein Gerücht aus meiner Jugend war. Aber hier habe ich eine Webseite gefunden, die ein wenig über die Frühwarnstation in Fylingdale, Grossbritannien, erzählt: http://www.yorkshirecnd.org.uk/campaigns/fylingdales/false-alarms
(Übrigens: der Jethro Tull song "Fylingdale Flyer" bezieht sich direkt auf diese Vorfälle dort)

Zitat:
In another event, despite the "state of the art" technology installed at Fylingdales, there have been a number of false alarms. In 1979 it was put on full alert in error. Fylingdales uses ‘War Games’ simulation tapes and exercises frequently to ‘test’ its response. A simulation tape, in which the opening move was the launching of a salvo of missiles against B52 bases from a Soviet submarine in the Pacific, was loaded by mistake into NORAD computers. Fylingdales was warned and ‘things got very tense’. But there were no radar targets in the ‘threat azimuth’ (the angles of the horizon at which a Soviet missile would normally be launched to attack Europe or North America). Details of this error are only known because a reporter witnessed the late stages of alert in a Viriginia Air Traffic Control Centre and asked questions.
Brejnev



Anmeldungsdatum: 06.01.2012
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 08. Jan 2012 14:49    Titel: Antworten mit Zitat

Übrigens gab es meines Wissens auch vergleichbare Fälle von fehlalarm in der Sowjetunion. Einmal hielt der Computer die aufgehende Sonne im Mittelwesten für das Starten einer Interkontinentalrakete. Glücklicherweise hat der diensthabende Offizier nicht auf den berühmten Knopf gedrückt.
Phillip234
Gast





BeitragVerfasst am: 09. Jan 2012 10:55    Titel: Ber Antworten mit Zitat

So, ich habe mal das wichtigste von euren Antworten in meine Ausarbeitung mit reingebracht. Aber die große Unklarheit, die immer noch bleibt, ist die Frage nach dem Berlin Ultimatum 61 von Chruscht. . Hat er nun die Kuba-Krise als Druckmittel benutzten wollen, um in Berlin seine Forderungen durchzusetzten oder ist es bis heute unklar.

Wäre toll wenn ihr mir da noch weiterhelfen könntet.
Danke Phillip
DmitriJakov



Anmeldungsdatum: 15.11.2010
Beiträge: 164

BeitragVerfasst am: 09. Jan 2012 20:47    Titel: Antworten mit Zitat

Falls Chruschtschov dies vorhatte, dann ist es ihm auf jeden Fall gründlichst misslungen. Denn niemand in Europa war sonderlich an der Sache interessiert und die Amerikaner hatten die Krise sogar vor ihren NATO Partnern anfangs geheim gehalten.

Die Kubakrise wurde von der ganzen Welt als Sache der amerikanischen Hemisphäre betrachtet. Deswegen spielte sich politisch das Meiste in den Amerikas ab, und dort vor allem innerhalb der OAS (Organisation amerikanischer Staaten).
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