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Stadt im Mittelalter - Aufbruch in die Moderne ?
 
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Sophie



Anmeldungsdatum: 03.10.2010
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 03. Okt 2010 16:25    Titel: Stadt im Mittelalter - Aufbruch in die Moderne ? Antworten mit Zitat

Hallo,

Ich versuche gerade eine Stellungnahme zu folgender Fragestellung zu schreiben: Inwiefern war die mittelalterliche Stadt ein Aufbruch in die Moderne ?

Ich soll dabei mit pro und contra Argumenten eine Meinung herausarbeiten und habe bisher noch nicht wirklich viel.

Pro:
-Ansätze der Atbeitsteilung
-grundsätliche Befreiung von persönlicher Abhängigkeit (keine Leibeigenschaft mehr)

Contra:
-untere Schicht hatte kein Bürgerrecht
-Freiheit der Berufswahl eingeschränkt
-großer Einfluss der Zünfte auf Preise etc.

Ich weiß, das ist jetzt nicht wirklich viel. Vondaher wäre ich wirklich sehr dankbar, wenn jemand der von diesem Thema mehr Ahnung hat mir helfen könnte und noch ein paar Ideen hat !

Vielen Dank : )
MI
Administrator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 1710
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 03. Okt 2010 19:01    Titel: Antworten mit Zitat

Einige wichtige weitere Punkte für "pro" wären meiner Meinung nach z.B.:

- Beginn städtischer Selbstverwaltung (siehe Evolution von Stadträten, z.B. in Köln im 12. Jahrhundert, etc.) mit dahingehend teildemokratischen Strukturen
- grenzübergreifende Handelsbeziehungen und Bündnisse (ich denke da an die Hanse - auch wenn das natürlich nur bedingt den Städten alleine zuzurechnen ist)
( - in dem Zusammenhang vllt. auch die steigende Bedeutung des Patriziats, also von arbeitender Bevölkerung )
- Förderung der Bildung und Wissenschaft (Gründung von nichtkirchlichen Bildungseinrichtungen wie Universitäten, z.B. in Bologna, Köln, Prag oder Heidelberg und Erfurt)
- Im Grunde kann man die Zünfte, etc. als Zusammenschluss von Handwerkern, etc. auch positiv deuten, indem man die Schutzfunktion gegenüber ihren Mitgliedern anerkennt und analysiert. Außerdem fällt das zu einem gewissen Teil auch mit Punkt 1 zusammen, durch die aufkommende Organisation und in gewissem Grade auch Effizienzsteigerung im Arbeitswesen.
- Zudem entwickelten sich in den Zünften und Zusammenschlüssen die qualitätssichernden Regelungen, die in abgeänderter Form noch heute existieren (Gesellenprüfungen, Meister, etc.)

Gruß
MI

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Sophie



Anmeldungsdatum: 03.10.2010
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 04. Okt 2010 20:17    Titel: Antworten mit Zitat

Erstmal Danke für diese schnelle Antwort !
Ich habe jetzt zu
- Förderung der Bildung und Wissenschaft (Gründung von nichtkirchlichen Bildungseinrichtungen wie Universitäten, z.B. in Bologna, Köln, Prag oder Heidelberg und Erfurt)
geschrieben, dass die Universitäten neu waren, weil sie durch die Lage in der Stadt endgültig mit der Isolation der Klosterschule brach und die Professoren und Studenten jetzt in engem Kontakt mit der gesellschaftlichen Umgebung, die reich an belebenden Elementen und zugleich empfänglich für alles Neue war, waren. Ähnlich wie die Organisation in den Zünften, als freie Gemeinschaft, war die notwendige Hierachie zwischen Professoren und Studenten durch einen gemeinsamen Korpsgeist abgeschwächt. Das Verhältnis von Professor und Student verlor seine Steifheit und wurde produktiver. Außerdem bildeten sich auch Universitäten, die ziemlich lange ihre Autonomie gegenüber der Kirche bewahren konnten (Bologna) und ein Denken unabhängig der Theologie begründeten. Dadurch konnte dann die Grundlage der Schaffung eines neuen Weltbildes gelegt werden und die Menschen waren nicht mehr so sehr auf die Erklärung der Welt aus der Bibel angewiesen.

Letzteres ist aber doch eine Entwicklung die nicht direkt im Mittelalter stattfand, sonder erst dannach, oder?
Denn mit dem Mittelalter verbinde ich irgendwie sehr die Kirche und in unserem Geschichtspunkt hat das Kapitel sogar die Überschrift ,,Das Zeitalter der Kathedralen''. Kann man vielleicht sagen, dass die Städte sozusagen nur Vorraussetzung (als Standort) der Universitäten waren?
MI
Administrator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 1710
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 05. Okt 2010 17:29    Titel: Antworten mit Zitat

Meiner Ansicht nach stellst du dir die (spät)mittelalterliche Universität (Bologna gab's schon im 12. Jahrhundert, Köln wurde 1388 oder so gegründet, Prag ca. 50 Jahre vorher) noch etwas zu modern vor. Ziel war zuallererst NICHT die Entwicklung neuer wissenschaftlicher Denkbilder, das kam ja, wie du richtig sahst, eher später. Vielmehr war z.B. Bologna eine reine Rechtsuniversität, an der das römische Recht "wiederauferstand". Ferner wurde häufig Medizin gelehrt, was aber nicht ganz so wichtig ist.
Das kirchliche Recht war in einigen Teilen eher wenig pragmatisch und an die Bedürfnisse der Stadt nicht angepasst. Da das römische Recht in der Neuzeit die dominierende Rechtsform darstellt (zumindest, wenn ich das von den Rechtsgeschichtlern richtig verstehe), könnte man dies also als Modernisierung sehen. In diesem Sinne stellt die Universität auch die von dir beschriebene Emanzipation von der Kirche dar.
Dass sich auch progressive Köpfe an den Universitäten sammelten, mag eine Folge der entstehenden Atmosphäre gewesen sein, war aber eher nicht mein Hauptanliegen.

Die Wikipedia bestätigt, worauf ich auch hinaus möchte: Die Universität Köln z.B. wurde nicht von der Kirche (es gab auch kirchliche Universitäten in Städten, wenn ich mich recht erinnere, aber diese schließe ich bei der Betrachtung hier aus) irgendeinem Kaiser oder Fürsten gegründet, sondern ging aus einer Initiative der Stadt selbst hervor. Die Stadtväter hatten also die Dringlichkeit einer Rechtsausbildung erkannt und wollten diese in die Hand nehmen. Entsprechend wurde an der Uni Köln von Beginn an nur römisches Recht gelehrt. In diesem Fall (und soweit ich weiß ist dies kein Einzelfall) war die Stadt also mehr als nur Standortvoraussetzung.

Die Frage ist, wie das nun mit dem Problem zusammenpasst: Nun, meiner Meinung nach ist ein pragmatisches Rechtssystem eine Art Infrastrukturelement, d.h. eine Notwendigkeit für die positive Entwicklung von Wohlstand in handelsbasierten Wirtschaftsformen.
Zudem ist - meiner Meinung nach (also eventuell mit Vorsicht genießen) - die städtische Universität nur ein Symbol für einen dahinterstehenden Bildungsgedanken der städtischen Bevölkerung. Soll heißen: Die Stadträte (meist selbst relativ gebildete Patrizier, also Händler, die ja zumindest die Grundfertigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen beherrschen mussten) hatten erkannt, dass eine gewisse Bildung bei der Wohlstandsmehrung helfen kann, d.h. man war daran interessiert, dass die wichtigen Teile der Bevölkerung entsprechende Fertigkeiten hatten.
Soweit ich weiß schickten einige kleinere Städte im Spätmittelalter sogar Männer aus ihrer Stadt an die Universität, denen sie das Studium 8des Rechts) bezahlten, damit diese nach Abschluss die Stadt in rechtlichen Dingen vertreten konnten.
Ich finde das ist ein Qualitätswandel im Vergleich zum Frühmittelalter, wo der Adel sich teilweise weigerte Lesen und Schreiben zu lernen.

Im Grunde gebe ich dir also Recht, wenn du sagst, dass das Mittelalter eine kirchliche Dominanz hat. Aber genau diese brechen die Universitäten zumindest in einem Bereich - und einige Universitäten waren eben wirklich nicht nur in der Stadt angesiedelt, sondern von den Städten "erfunden" und getragen.
Da kommt eben (wie auch in der städtischen Selbstverwaltung) eine langsame Emanzipation von Kirche und weltlichene Mächten außerhalb des Adels, die letztendlich auch zur langsamen Entmachtung der Kirche führt.

So, viel geschwafelt, ich hoffe, man kann einigermaßen erkennen, was ich damit sagen will.
Vielleicht noch eine kurze Info: Das, was ich da oben beschrieben habe, stammt vorwiegend aus einem Buch mit dem Titel "Die deutsche Stadt des Mittelalters" von Eva-Maria Engel, was ich vor Jahren mal gelesen habe. Daher kann es durchaus sein, dass ich einige Dinge nicht ganz richtig wiedergegeben habe, weil's schon lange her ist. An einigen Punkten habe ich aber zumindest noch einmal nachgeschaut, dass sich die Angaben zumindest mit den Wikipedia-Artikeln decken.

Gruß
MI

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