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Kolonialismus - Imperialismus --- Was ist der Unterschied?
 
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randomguy



Anmeldungsdatum: 01.10.2007
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 03. Okt 2007 19:48    Titel: Kolonialismus - Imperialismus --- Was ist der Unterschied? Antworten mit Zitat

Hi.

Was genau ist denn nun der Unterschied zwischen Kolonialismus und Imperialismus? Beide sind darauf aus, ihre Herrschaftsgebiete zu vergrößern "etc.", aber mein Geschichtslehrer besteht immer darauf, dass es einen Unterschied gibt...

Da ich morgen eine Klausur schreibe frage ich euch, ob mir jemand den Unterschied "kurz" erläutern kann smile

Danke.
MI
Administrator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 1710
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 03. Okt 2007 22:27    Titel: Antworten mit Zitat

Das Ganze ist nicht einfach, überschneiden sich die beiden Begriffe in der Realität doch zumeist. Soweit ich das "weiß" kann man die Unterschiede folgendermaßen festlegen:

Kolonialismus bezeichnet eine Politik, die auf Erwerb von (zumeist überseeischem) Territorium ausgerichtet ist, sei es aus militärischem, ökonomischen oder strategischen Grund. Ziel ist es, dadurch die Lebensverhältnisse im Mutterland zu verbessern.
Der Kolonialismus steht, im Zusammenhang mit der Ausbeutung der überseeischen Besitzungen zum Mutterlandsvorteil, auch in direktem Zusammenhang mit der Beherrschung der auf dem "erworbenen" Territorium lebenden Bevölkerung. Das Herrschaftsverhältnis und das Landesbesitzverhältnis sind hier begriffsprägend.

Im Gegensatz dazu ist der Imperialismus weiter gefasst. Er umfasst die Idee, ein "Imperium" nach dem Vorbild des "Imperium Romanum" aufzubauen. Um aber tatsächlich die einzige Macht in der Welt zu sein, reicht es natürlich nicht, lediglich eine Handvoll Kolonien zu haben (obwohl der Kolonialismus eine Rolle spielt). Vielmehr versteht man unter Imperialismus auch die Ausdehnung der Macht in Gebiete, die nicht direkt der Herrschaft des Mutterstaates unterstehen (indirekte Machtausübung). Es waren auch in Rom nicht alle Gebiete in das Imperium eingebunden, die de facto von Rom abhängig waren.

Stehen also beim Kolonialismus der Landbesitz (nicht unbedingt zur Ausdehnung der Macht, sondern vielleicht wirklich nur, um die eigene Bevölkerung zu ernähren) und die daraus entstehenden Machtverhältnisse im Vordergrund, geht es beim Imperialismus eigentlich nur noch um Macht. Und zwar darum, möglichst viel Macht zu sammeln, egal ob direkt oder indirekt, es geht darum, dass man "de facto" Macht hat - und zwar die Meiste Augenzwinkern .

Wenn man die beiden Begriffe außerhalb der Neuzeit in einem anderen gegenwärtigen Kontext betrachtet, so könnte man vielleicht (vereinfacht) feststellen:
Wenn ich eine kleine Kolonie auf dem Mars errichten würde (ohne die Absicht, diese auszudehnen), so täte ich das sicherlich nicht um der "Macht" willen. Vielleicht will ich meine Macht damit demonstrieren, aber ich mache das eigentlich nicht, um ein Imperium aufzubauen.
Im Gegensatz dazu könnte man die Politik der Amerikaner manchmal als Imperialismus bezeichnen. Sie versuchen ihren Machtbereich auf die Ganze Welt auszudehnen - also ein weltweites Imperium zu errichten. Mit Kolonialismus hat das aber nichts zu tun, denn die Amerikaner schaffen sich ja keine Kolonien an.

Vielleicht ist das so etwas klarer geworden.
Gruß
MI

_________________
I have seen war, I hate war
Franklin D. Roosevelt
Andrea1983



Anmeldungsdatum: 09.10.2007
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: 09. Okt 2007 12:39    Titel: Antworten mit Zitat

Ich glaube Kolonialismus an sich ist auch viel greifbarer.
Für Imperialismus gibt es viele verschiedene Definitionen. Besonders der Sozialismus sieht ihn als Ausgeburt des Kapitalismus an, obwohl ja die Sovjets bezgl. Polen im zweiten Weltkrieg ebenso imperialistisch vorgingen.

MI's Erklärung find ich sehr interessant. So hab ich das noch gar nicht betrachtet.

VG Andrea
__________________
Tipps für's Fernabi


Zuletzt bearbeitet von Andrea1983 am 01. Nov 2007 07:47, insgesamt einmal bearbeitet
Devin Cant
Moderator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 270

BeitragVerfasst am: 09. Okt 2007 15:45    Titel: Antworten mit Zitat

Andrea1983 hat Folgendes geschrieben:
obwohl ja die Sovjets bezgl. Polen im zweiten Weltkrieg ebenso imperialistisch vorgingen.


Was genau meinst du denn damit?

Die Beispiele Litauen, Lettland und Estland sind da meiner Meinung nach wesentlich besser geeignet als Polen.

_________________
"Wenn man eine ruhmvolle Tat zu erzählen hat, so braucht man nicht zu sagen, dass sie ruhmvoll gewesen ist. Die einfache Darstellung des Verlaufes enthält das Lob. Nicht dem Erzähler, sondern dem Leser gebührt, die Anerkennung zu spenden." - v. Moltke
Andrea1983



Anmeldungsdatum: 09.10.2007
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: 09. Okt 2007 15:51    Titel: Antworten mit Zitat

Ich meine, dass Stalin und Hitler sich im geheimen Zusatz ihres Paktes darauf geeinigt haben, wie sie die baltischen Staaten und auch Polen aufteilen wollen. Das sind doch imperialistische Absichten, finde ich. Denn immerhin wollten sie ihre Stellung in Europa ausbauen. Der Sinn des Paktes war ja auch, dass Russland sich aus dem Krieg raushalten und warten wollte, bis sich die West- und Mittelmächte (also Faschisten und Kapitalisten) gegenseitig ausschalten, so dass die Sovjets schließlich die Vormacht erhielten. Eben um ihre Macht zu erweitern.

VG Andrea
____________
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Devin Cant
Moderator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 270

BeitragVerfasst am: 09. Okt 2007 16:38    Titel: Antworten mit Zitat

Die Gebiete, die die UdSSR bei der Teilung erhielt, stimmten jedoch größtenteils mit jenen überein, die Polen 1921 annektiert hatte. Im Gegensatz zum Vorgehen gegen die baltischen Staaten war dies meiner Meinung nach somit nicht imperialistisch.
_________________
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Andrea1983



Anmeldungsdatum: 09.10.2007
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: 09. Okt 2007 17:22    Titel: Antworten mit Zitat

Da hast du recht. Meinst du man kann dies dann nicht als I. bezeichnen. Und was ist mit dem dt. Vorgehen. Das doch definitiv im Sinne der Lebensraumpolitik, oder?

VG Andrea
Devin Cant
Moderator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 270

BeitragVerfasst am: 09. Okt 2007 20:17    Titel: Antworten mit Zitat

Generell sehe ich die (Rück-)Eroberung von Gebieten, auf die ein Staat gewisse mehr oder weniger gerechtfertigte Ansprüche hat, nicht als imperialistisches Vorgehen an.

Auch wenn es dem Ziel der Lebensraumpolitik diente, hatte das Deutsche Reich 1939 durchaus Ansprüche auf Posen, Westpreußen (inklusive Danzig) sowie das südliche Ostpreußen. Diese Ansprüche wurden soweit ich weiß auch zu Zeiten der Weimarer Republik nie aufgegeben.
Anders sieht es hingegen mit dem restlichen Teil Polens (Generalgouvernement) sowie den Eroberungen während des Russlandfeldzuges aus, denn diese Regionen waren zuvor niemals Teil des Reiches.

Das ist zumindest meine Meinung. Wie weit die Wissenschaft den Begriff Imperialismus fasst kann ich jetzt nicht genau sagen.

_________________
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Andrea1983



Anmeldungsdatum: 09.10.2007
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: 10. Okt 2007 08:21    Titel: Antworten mit Zitat

Es gibt viele verschiedene Interpretationen des Begriffes Imperialismus - damals wie heute denke ich. Er beschreibt aber auch eine Epoche.

In der Weimarer Republik war die Mehrheit der Meinung, die Gebiete müssten zurückerobert werden. Lediglich die Mittel unterschieden sich (Stresemann - Diplomatie; Hitler - Krieg). Okay, also konnten die Nazis die Besetzung des Sudetenlandes mit der Revision des VV rechtfertigen. Aber stand der Akt nicht dennoch unter dem Motto der Lebensraumerweiterung und war damit schon auch ein imperialistischer Akt?

_______________
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Gitanes



Anmeldungsdatum: 09.10.2007
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 10. Okt 2007 20:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hehe,

Ich hab heute darüber meine 4stündige Arbeit geschrieben ...

Chamberlain's Rede, die Pax Britannica usw.kamen dran.
Andrea1983



Anmeldungsdatum: 09.10.2007
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: 10. Okt 2007 20:07    Titel: Antworten mit Zitat

Und wie ist's gelaufen? Zu welchem Schluss bist du gekommen?

VG
Gitanes



Anmeldungsdatum: 09.10.2007
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 11. Okt 2007 07:59    Titel: Antworten mit Zitat

Naja wir hatten 4 Stunden Zeit,
Ich hab nach 2 Std. abgegeben ...

11 Seiten sollten reichen :lol:

Mal schaun was draus wird, letztes Jahr hat's insgesamt zu einer 1 gereicht.
Andrea1983



Anmeldungsdatum: 09.10.2007
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: 11. Okt 2007 08:00    Titel: Antworten mit Zitat

Na, dann wirst du in den kommenden 7 Wochen noch von mir hören Augenzwinkern. Wenn du so spitze bist =). In welcher Klasse bist du denn?
Gitanes



Anmeldungsdatum: 09.10.2007
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 11. Okt 2007 08:02    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist Leistungskurs 12te Klasse.

Hehe, aber von der 7ten bis zur 10ten hatte ich immer eine 4 oder 5 in Geschichte :lol:

Lag wohl am Lehrer (wie immer Augenzwinkern )

Wir spammen hier gerade alles voll Haue / Kloppe / Schläge
Unwissender



Anmeldungsdatum: 20.02.2012
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 18. Sep 2013 12:46    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hänge schon seit ein paar Tagen daran , den Unterschied herrauszu finden Big Laugh

Imperialismus : Macht erweiterung über die Kolonien hinaus
egal ob formell oder informell

Kolonialisierung: Aufbessereung des Lebenstandarts des Mutterlandes


Kann man das so zusammenfassen?

Und wie ensteht der Imperialismus?

Ich lerne grade fürs Abi und dieses Thema macht mich fertig Big Laugh
nudde
Gast





BeitragVerfasst am: 03. Jan 2015 21:13    Titel: 6969 Antworten mit Zitat

MI hat Folgendes geschrieben:
Das Ganze ist nicht einfach, überschneiden sich die beiden Begriffe in der Realität doch zumeist. Soweit ich das "weiß" kann man die Unterschiede folgendermaßen festlegen:

Kolonialismus bezeichnet eine Politik, die auf Erwerb von (zumeist überseeischem) Territorium ausgerichtet ist, sei es aus militärischem, ökonomischen oder strategischen Grund. Ziel ist es, dadurch die Lebensverhältnisse im Mutterland zu verbessern.
Der Kolonialismus steht, im Zusammenhang mit der Ausbeutung der überseeischen Besitzungen zum Mutterlandsvorteil, auch in direktem Zusammenhang mit der Beherrschung der auf dem "erworbenen" Territorium lebenden Bevölkerung. Das Herrschaftsverhältnis und das Landesbesitzverhältnis sind hier begriffsprägend.

Im Gegensatz dazu ist der Imperialismus weiter gefasst. Er umfasst die Idee, ein "Imperium" nach dem Vorbild des "Imperium Romanum" aufzubauen. Um aber tatsächlich die einzige Macht in der Welt zu sein, reicht es natürlich nicht, lediglich eine Handvoll Kolonien zu haben (obwohl der Kolonialismus eine Rolle spielt). Vielmehr versteht man unter Imperialismus auch die Ausdehnung der Macht in Gebiete, die nicht direkt der Herrschaft des Mutterstaates unterstehen (indirekte Machtausübung). Es waren auch in Rom nicht alle Gebiete in das Imperium eingebunden, die de facto von Rom abhängig waren.

Stehen also beim Kolonialismus der Landbesitz (nicht unbedingt zur Ausdehnung der Macht, sondern vielleicht wirklich nur, um die eigene Bevölkerung zu ernähren) und die daraus entstehenden Machtverhältnisse im Vordergrund, geht es beim Imperialismus eigentlich nur noch um Macht. Und zwar darum, möglichst viel Macht zu sammeln, egal ob direkt oder indirekt, es geht darum, dass man "de facto" Macht hat - und zwar die Meiste Augenzwinkern .

Wenn man die beiden Begriffe außerhalb der Neuzeit in einem anderen gegenwärtigen Kontext betrachtet, so könnte man vielleicht (vereinfacht) feststellen:
Wenn ich eine kleine Kolonie auf dem Mars errichten würde (ohne die Absicht, diese auszudehnen), so täte ich das sicherlich nicht um der "Macht" willen. Vielleicht will ich meine Macht damit demonstrieren, aber ich mache das eigentlich nicht, um ein Imperium aufzubauen.
Im Gegensatz dazu könnte man die Politik der Amerikaner manchmal als Imperialismus bezeichnen. Sie versuchen ihren Machtbereich auf die Ganze Welt auszudehnen - also ein weltweites Imperium zu errichten. Mit Kolonialismus hat das aber nichts zu tun, denn die Amerikaner schaffen sich ja keine Kolonien an.

sweete erklaerung, thanks bra
MI
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