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nicechica's
Anmeldungsdatum: 16.06.2006 Beiträge: 2
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Verfasst am: 16. Jun 2006 13:33 Titel: Revolution 1848 |
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Hallo. Unsere Geschi-Lehrerin hat uns heute den glorreichen Tipp gegeben, dass sie mit großer Sicherheit die nachfolgende Karikatur / bzw. Titelbild von einer Ausgabe des Spiegels zur Beschreibung nächste Woche im Mündlichen Abi dranbringen wird. Nur leider kommt ich damit gar nicht klar.
Hab das zwar mal versucht zu deuten, aber ich komm irgendwie auf keine richtige Interpretation: Auf dem Titelbild sind zum einen Menschen, mit einer schwarz-rot-goldenen Flagge zu sehen, die sich hinter Brettern verbarrikadiert haben und deutlich in revolutionärer Stimmung sind (die Flagge + bereitstehende Kanonen, faustgeballte Hände) (könnten z.B. die Burschenschaften sein). Ihnen stehen die fürstlichen Truppen (Soldaten) gegenüber, die aufgerüstet , bewaffnet der revolutionären Gesinnung entgegentreten, zurückschlagen wollen.
Und über diesem Bild sieht man nun links Bismark, rechts Wilhelm (aber welcher der IV. oder II. ???) und dazwischen, etwas im Hintergrund und farblich abgeschwächt , aber trotzdem mächtig und dominierend Hitler. Nun zur eigentlichen Intrepretation, Aussage, wie auch immer: Ich verstehe das gar nicht, was mit "halber Revolution" gemeint ist!?
Ist es eine halbe Revolution, weil die Revolution nach 1848 von Seiten der Burschenschaften nachließ und der Widerstand von den "alten Mächten" zunahm? Oder ist Revolution noch nicht beendet, weil sie im Dritten Reich fortgeführt wurde?
Was hat Hitler zu bedeuten? Und was Bismarck?
Brauche Hilfe! Danke
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Devin Cant Moderator

Anmeldungsdatum: 01.11.2004 Beiträge: 270
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Verfasst am: 16. Jun 2006 14:49 Titel: |
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Da der Spiegel eher links eingestellt ist, gehe ich davon aus, dass folgendes gemeint ist: Die Revolution 1848, die hauptsächlich von Demokraten, Liberalen und Nationalen (im Sinne der deutschen Einheit) und weniger von Burschenschaften getragen wurde, war nur halbherzig und hat eigentlich nichts an dem vorherrschenden System geändert. Nachdem Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone abgelehnt hatte, war die Revolution endgültig gescheitert. Wäre sie so radikal durchgeführt worden wie jene 1789 in Frankreich, dann wären Männer wie von Bismarck, Wilhelm II. (kein preußischer König hieß Wilhelm IV.) und Hitler laut Spiegel nicht an die Macht gekommen und hätten keine Kriege mit weitreichenden Folgen (Einigungskriege, die beiden Weltkriege) geführt. So interpretiere ich das jedenfalls.
_________________ "Wenn man eine ruhmvolle Tat zu erzählen hat, so braucht man nicht zu sagen, dass sie ruhmvoll gewesen ist. Die einfache Darstellung des Verlaufes enthält das Lob. Nicht dem Erzähler, sondern dem Leser gebührt, die Anerkennung zu spenden." - v. Moltke |
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MI Administrator

Anmeldungsdatum: 01.11.2004 Beiträge: 1710 Wohnort: München
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Verfasst am: 16. Jun 2006 14:58 Titel: |
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Der Kaiser im Hintergrund dürfte Wilhelm II. sein. Friedrich Wilhelm IV. hatte nicht solch einen Schnäuzer.
Ich kann dir nicht mit großer Sicherheit sagen, wie man dieses Bild interpretieren könnte, ich (12. Klasse) würde dazu aber folgendes sagen:
Wie du ja weißt, führte die Revolution 1948 im Endeffekt zur ersten deutschen "Verfassung" (Paulskirche) und zur Bildung des ersten deutschen Parlamentes. Im Endeffekt hatte diese "Demokratie" aber keinerlei Macht, da der König von Preußen ja die Kaiserkrone ablehnte - im Endeffekt war es also nicht wirklich gelungen eine konstitutionelle Monarchie mit starkem demokratischen Einfluss zu bilden (auch wenn schließlich eine Verfassung akzeptiert wurde).
Nach der Novemberrevolution 1918 und der verfassungsgebenden Versammlung in Weimar wurde ja dann die Weimarer Republik gegründet (was dir ja auch bekannt ist). Nun ist es ja so, dass diese Weimarer Republik ja noch eine Art "Ersatzkaiser" bot (den Präsidenten) und noch weitere Lücken aufwies, die Hitler geschickt zu nutzen wusste, um sein Regime an die Macht zu bringen.
Warum aber schafften die Deutschen diesen "Ersatzkaiser"? War es deswegen, weil noch sehr viele Royalisten unter den Beamten waren, die nicht ausgetauscht wurden, oder weil die deutschen nie etwas anderes kannten? Letzteres kommt dem Problem schon näher. Die gescheiterte Revolution von 48 führte zu einer etwas eigenwilligen Betrachtung des Problems in Deutschland: Während in vielen Ländern, so zum Beispiel Frankreich, die Definition der Nation auch durch die Demokratie erfolgte, waren diese beiden Begriffe in Deutschland nicht miteinander verbunden. Die "Nation" - und auch die Stärke der Nation - war mit dem Kaiser verbunden (der diese ja herzustellen wusste). Die deutschen betrachteten also den Kaiser als ihren Garant für Stärke und Einheit - und Hitler erfüllte genau dies und stellte mit dem "3. Reich" ja auch genau das wieder her: Ein Königreich, dass Wilhelm II. nacheiferte (und genau diese Stärke erreichen wollte).
Zwar war die Revolution von 1918 im gewissen Maße geglückt, doch als die Demokratie, welche ohnehin problematisch zustande gekommen war, keine Lösung für die wirtschaftlichen Probleme fand und Hitler sein "Ersatzkaiserreich", wie ich es jetzt einmal nennen möchte, propagierte, da ergriffen die Leute diese Möglichkeit und hießen sie gut, da sie ja das Kaiserreich immer als Einheit mit der "Nation" sahen - und die schien ja durch die ganzen Parteien gespalten.
Es gibt in diesem Zusammenhang ja auch den kontrovers diskutierten Begriff des "deutschen Sonderwegs", der sich mit diesem Problem befasst.
Meine These (ich hoffe, dass die anderen Leser das genauso sehen) ist nun, dass die Revolution, weil sie nicht ganz "zu Ende" geführt worden ist, einen großen Einfluss erstens auf den Ursprung des 1. Weltkriegs und (auch deshalb) zweitens auf die Fehler in der Weimarer Verfassung hatte - die ja Hitler begünstigte - und 3. einfach die Menschen für ein "Führerreich" empfänglich machte.
Gruß
MI
_________________ I have seen war, I hate war
Franklin D. Roosevelt |
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MrSpock

Anmeldungsdatum: 06.04.2006 Beiträge: 43
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Verfasst am: 16. Jun 2006 16:40 Titel: |
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| Zitat: | | Ein Königreich, dass Wilhelm II. nacheiferte (und genau diese Stärke erreichen wollte) |
Hitler strebte 1933 nicht die Grenzen von vor 1914 an (Deutschland war zwar groß aber im Kaiserreich auch sehr zerklüftet), aber im Kern stimmt das denke ich schon.
In deine Interpretation kannst du vielleicht noch kurz die Gesamtatmosphäre beschreiben (düstere Farben etc.)
Es gibt den Ansatz, eine Folgeentwicklung von der Französischen Revolution 1789 hin zum 2. Weltkrieg zu konstruieren.
Ähnliches ist ja auch bei diesem Spiegeltitelblatt impliziert - wenn auch 1848 als Ausgangspunkt genommen.
Die erste Entwicklungsphase von der Revolution bis 1871 (symbolisiert von der Revolutionsszene und Bismarck): 1848 wird zum ersten Mal ein starkes Nationalgefühl deutlich, was schließlich zur Bildung des Nationalstaates 1871, zum 2. deutschen Reich, führte.
Zweite Entwicklungsphase: Großmachtstreben unter Wilhelm II., führt zum 1. Weltkrieg.
Dritte: Anknüpfung an Großmachtideologie des Kaiserreichs ab WII. (Kontinuität auch im Begriff "3.Reich").
"Halbe Revolution" - es gibt Diskussionen, ob man 1848 als Revolution zu werten hat, oder ob nicht; aus den Gründen, die MI schon genannt hat.
Außerdem würde ich die Bürgerkriegsszene 1848 als verbindenes Element zwischen den drei Politikern sehen und aus seinem festen Kontext lösen; somit auch als Symbol des Krieges generell (1870/71 Deutsch-Franz. Krieg; 1914/18; 39/45).
Wobei ich es für Geschmacklos halte, Bismarck in eine Reihe mit Hitler zu stellen. (Hitler macht sich natürlich immer gut, um Verkaufszahlen anzutreiben ).
Es macht sichs vielleicht noch gut, wenn du in der Prüfung etwas kritisches zu dem Titelblatt bemerkst.
Z.B. strebte Bismarcks Außenpolitik nach 71 nach Ausgleich. Erst mit 1890 (Bismarcks Entlassung durch den neuen Kaiser WII) verfiel Deutschland in dieses stupide Weltmachtstreben. Deshalb finde es nicht nur für oberflächlich (was solche Bilder natürlich nie gänzlich vermeiden können) oder fragwürdig, sondern sogar für irreführend und verfälschend.
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MacHarms

Anmeldungsdatum: 11.11.2004 Beiträge: 622 Wohnort: Hamburg
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