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Bedeutung Großbritanniens von 1815 bis 1914
 
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oberhaenslir



Anmeldungsdatum: 30.11.2008
Beiträge: 430

BeitragVerfasst am: 21. Mai 2012 12:34    Titel: Bedeutung Großbritanniens von 1815 bis 1914 Antworten mit Zitat

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Wie veränderte sich die politische, ökonomische und technologische Bedeutung Großbritanniens in Europa von 1815 bis 1914?

.
MI
Administrator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 1710
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 22. Mai 2012 22:08    Titel: Antworten mit Zitat

Ein paar Gedanken dazu:

Die technologische/ökonomische Bedeutung dürfte am einfachsten mit Quellen zu belegen sein.

Bekanntermaßen ging die industrielle Revolution von GB aus. Im 19. Jahrhundert zogen insbesondere Kontinentaleuropa (allen voran Preußen/Deutschland) und die USA nach. Damit galt Großbritannien Mitte des 19. Jahrhunderts als ökonomisches Vorbild, nach Aufholen von Kontinentaleuropa dürfte es diese Rolle aber bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges wieder eingebüßt haben.
Für die Vorbildfunktion siehe auch diverse Entwicklungen, wie z.B. die Expo, die in England ihren Anfang nahmen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gibt es dann einen Angriff auf die ökonomische Vorherrschaft und den langsamen Verlust dieser.

Rein ökonomisch konnte der Kontinent im 19. Jahrhundert noch als Absatzmarkt für britische Produkte dienen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es jedoch auch expandierende (Groß)unternehmen, die die GB als Absatzmarkt begriffen. Insofern sehen wir meiner Einschätzung nach in der Aufholjagd im technologischen Vorsprung eine Minderung der ökonomischen Dominanz GBs.

Schwieriger ist meiner Einschätzung nach die politische Bedeutung. Vom Wiener Kongress als eine der fünf Führungsmächte um die (leere) europäische Mitte eingesetzt, war Großbritannien von Anfang an eine eher kleine politische Macht auf dem Kontinent, auch da ihr Interesse in Übersee lag. Spannungen mit anderen Ländern treten somit auch vorwiegend anderswo als in der europäischen Politik auf (die politische Rivalität mit Frankreich entlädt sich nicht auf dem Kontinent, sondern im Wettlauf um Afrika). Man versucht sich wohl eher aus dem Geschehen rauszuhalten, bleibt aber natürlich wegen der ökonomischen Macht immer eine politische Macht (und kann diese dann als Richter einsetzen!). Ziel war jedoch stets die Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts auf dem Kontinent, weswegen England sich mehr mit sich selbst beschäftigte und keine Bündnisse eingeht.
Das Erstarken Deutschlands scheint dann aber der Auslöser für einsetzende Bündnispolitik zu sein, d.h. wir sehen zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine aktivere politische Rolle Großbritanniens auf dem Kontinent, was sich mEn wieder mit dem Versuch der Aufrechterhaltung des Mächtegleichgewichts deuten lässt.
- Relativ gesehen haben wir also mEn folgendes Bild: Aus dem Wiener Kongress geht Frankreich (im Vgl. zu Napoleons Zeiten) geschwächt hervor, Preußen, Österreich und Russland hingegen gestärkt. Großbritannien, durch den technologischen Vorsprung und ökonomischen Reichtum entwickelt sich zur Großmacht Europas, die aber eher als Europapolizei/Richter fungiert. Der Aufstiegs Preußens und die Entstehung Deutschlands verschieben das Gleichgewicht zuungunsten Großbritanniens, was Einfluss in Europa verliert und den verbliebenen Einfluss als Bündnispartner in die Waagschale wirft.

Gruß
MI

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Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 270

BeitragVerfasst am: 22. Mai 2012 22:55    Titel: Antworten mit Zitat

Ein kurzer Gedanke dazu von mir: Meiner Meinung nach untertreibt MI die Rolle Großbritanniens ein wenig. GB war zwischen 1815 und 1900 DIE Weltmacht überhaupt, gestützt auf uneingeschränkter Seeherrschaft und industrieller Kraft. Kein Staat der Welt hätte es militärisch oder wirtschaftlich mit den Briten aufnehmen können*, weshalb dieses Jahrhundert zu Recht als das Viktorianische in die Geschichte eingegangen ist. In einer ähnlichen Situation fanden sich übrigens die USA 1945 und 1990 wieder. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts ging Großbritanniens Macht langsam aber sicher zurück, sodass es schließlich sogar zu einem Bündnis mit Japan gezwungen war, um Russland im Fernen Osten Einhalt zu gebieten. Ein Jahrzehnt zuvor wäre das noch undenkbar gewesen.

* Ironischerweise finden sich in dieser Epoche unzählige Beispiele militärischer Inkompetenz und Katastrophen in kleinerem Maßstab auf Seiten des britischen Heeres, was jedoch an der allgemeinen Überlegenheit nichts ändert.

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MI
Administrator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 1710
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 23. Mai 2012 13:59    Titel: Antworten mit Zitat

Ich gebe dir Recht - Großbritannien war sicherlich DIE Großmacht (Pax Britannica, etc.). Wie ich ja auch anmerkte: Technologisch/Ökonomisch wohl das Vorbild für alle.

In der Welt stimmt deine Einschätzung damit sicherlich und meine Sichtweise wäre eine Untertreibung. Aber in Europa?
In Europa haben sich die Briten sich politisch eingermaßen rausgehalten und höchstens als Richter fungiert. Sie haben die Erstarkung der Preußen zugelassen und die Gründung Deutschlands nicht verhindert.
Eine "kleine" politische Macht ist vielleicht wirklich stark untertrieben, vielleicht sollte man lieber sagen: Die in Europa ausgeübte politische Macht entspricht meiner Einschätzung nach bei weitem nicht der politischen Macht, die Großbritannien weltweit zu dieser Zeit besaß. Die Machtausübung erscheint mir viel passiver gewesen zu sein.

Gruß
MI

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Devin Cant
Moderator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 270

BeitragVerfasst am: 23. Mai 2012 17:20    Titel: Antworten mit Zitat

Dem kann ich zustimmen.

Wo wir gerade dabei sind: Wie hat Großbritannien eigentlich auf die Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen 1866 reagiert?

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MI
Administrator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 1710
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 25. Mai 2012 22:28    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist eine sehr gute Frage. Ich habe mal etwas im Internet gesucht - aber bin nicht sonderlich fündig geworden.
Dieser Artikel hier (nicht frei verfügbar) http://www.jstor.org/stable/4545753?seq=3 erwähnt, dass die Briten haben verlauten lassen, dass sie nicht auf Seiten Hannovers intervenieren würden. Als Quellen werden u.a. das Buch "England und der deutsche Krieg 1866" (Gerhard Bruns, Berlin, 1933) angegeben. Ich denke, da sollte man fündig werden.
Allerdings müsste ich dafür vermutlich in die Stabi (Staatsbibliothek) rennen und so wichtig ist es mir dann doch nicht Augenzwinkern .

Gruß
MI

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oberhaenslir



Anmeldungsdatum: 30.11.2008
Beiträge: 430

BeitragVerfasst am: 30. Mai 2012 07:28    Titel: Ich danke für die interessanten Antworten. Antworten mit Zitat

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Ich danke für die interessanten Antworten.

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