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Propagandafilme Verbot sinnvoll?
 
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Lhunhil



Anmeldungsdatum: 14.02.2007
Beiträge: 14

BeitragVerfasst am: 30. März 2007 20:09    Titel: Propagandafilme Verbot sinnvoll? Antworten mit Zitat

Hallo
Ich möchte hier mal ein etwas anderes Thema ansprechen. Viele Filme aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 sind als "Vorbehaltsfilme" eingestuft. Die Wikipedia schreibt dazu:
Als Vorbehaltsfilme werden diejenigen Filme aus nationalsozialistischer Produktion bezeichnet, deren Aufführung in Deutschland wegen ihres starken propagandistischen Gehalts bis auf den heutigen Tag Einschränkungen unterliegt. So dürfen diese Filme nur in geschlossenen Bildungsveranstaltungen mit sachkundiger Einführung aufgeführt werden.

Die Rechte an den Vorbehaltsfilmen sind vom Bundesarchiv an die Wiesbadener Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung gegeben worden. Dort entscheidet man von Anfrage zu Anfrage, ob der geeignete Rahmen für die Aufführung eines NS-Propagandafilms vorliegt. Einen Vertrieb dieser Filme erlaubt die Stiftung grundsätzlich nicht, aber es zirkulieren illegale Kopien dieser Filme.


Da ich mich für Geschichte interessiere und vor allem für die Nazi-Zeit habe ich mir einen dieser "Vorbehaltsfilme" angesehen. Meine Meinung zu dem Film ist klar: Niemand heute würde das noch glauben. Ich denke, Deutschland ist nach 45 dermaßen geschockt und "geheilt", dass solche Filme bei uns auf keinen fruchtbaren Boden mehr stoßen. Sogar die, die keine Ahnung von Geschichte haben, würden diesen Filmen keine Beachtung schenken, höchsten der Reiz, dass diese Filme verboten sind, wird es nur bestärken, solche zu konsumieren.

Vielleicht wäre es sinnvoller, diese Verbote etwas zu lockern und sich auch in der Schule kritisch mit dem Nazi-Müll auseinanderzusetzen. Oder was ist eure Meinung dazu? Diskussion, bitte!

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Rade



Anmeldungsdatum: 25.01.2007
Beiträge: 45

BeitragVerfasst am: 30. März 2007 20:49    Titel: Antworten mit Zitat

ich finde es richtig, dass solche filme verboten sind. manche menschen haben nämlich noch immer nichts dazugelernt, was man an dem grasierenden rechtsradikalismus weltweit merken kann.
eine aufhebung eines verbotes wäre in meinen augen gefährlich: nazis könnten filmveranstaltungen mit solchen filmen drehen, und wieso soll man nicht das glauben was der film sagt, wenn man sogar den holocaust leugnet?
sicher besitzen viele nazis die filme so und so, aber wenn die legal würden, gäbe es da eine inflationäre nutzung.
stell dir vor ein 13 jähriger zieht sich solche filme rein? wer in seinem weltbild nicht gefestigt ist, lässt sich leicht von so etwas beirren, vor allem wenn da noch ne horde nazis daneben steht und jubelt und rechthaberisch zum film nickt. ich sehe das also nicht ganz locker wie du.
Lhunhil



Anmeldungsdatum: 14.02.2007
Beiträge: 14

BeitragVerfasst am: 30. März 2007 20:56    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe von keiner Aufhebung des Verbotes gesprochen, aber von einer Lockerung. Denn solche Filme darf man ja nicht mal im geschichtsunterricht zeigen, was ich unsinnig finde, da man dann reif genug sein sollte und der Lehrer ja eine Kommentierung vornehmen wird.
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MI
Administrator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 1710
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 30. März 2007 23:04    Titel: Re: Propagandafilme Verbot sinnvoll? Antworten mit Zitat

Lhunhil hat Folgendes geschrieben:
Meine Meinung zu dem Film ist klar: Niemand heute würde das noch glauben. Ich denke, Deutschland ist nach 45 dermaßen geschockt und "geheilt", dass solche Filme bei uns auf keinen fruchtbaren Boden mehr stoßen.


Das halte ich (I beg your pardon) leider Gottes für ein bisschen naiv. Bis vor einigen Jahren war ich derselben Ansicht - aber das bin ich nicht mehr. Im Gegenteil.

Hierzu möchte ich mich Rade komplett anschließen, seine kurzen Erklärungen aber ein wenig ausführen:
Tatsächlich ist der Rechtsradikalismus in Deutschland so stark wie seit langem nicht mehr. Die Zahl der politisch motivierten Straftaten in Deutschland hat letztes Jahr um 10% zugenommen - und satte 2/3 davon sind rechtsradikal motiviert (Quelle: ARD, Tagesschau), daher meine Schlussfolgerung, dass die rechten Straftaten ebenfalls zugenommen haben werden (auch wenn das nicht unbedingt der Fall sein müsste). Desweiteren merke ich aber den Zuwachs an Rechtsradikalen immer mehr. Man siehe nur die Anzahl der Länderparlamente mit rechtsradikalen Fraktionen.
Außerdem habe ich, zwar letztes Jahr noch aber das tut nichts zur Sache, einige interessante Artikel zu dem Thema in "Die Zeit" gelesen. Darin wurde von einem Schriftsteller gesprochen, der ein Buch zur Geschichte des Rechtsradikalismus nach dem zweiten Weltkrieg verfasst hat (soweit ich mich recht erinnere) und aus diesem in ganz Deutschland vorliest. Es war ein sehr kritisches Buch und in ausnahmslos allen Städten (so ihnen die Möglichkeit gegeben war) waren auch rechtsradikal anwesend, um die Aussagen des Lektors durch Parolen zu falsifizieren. Das Ganze an sich ist nichts Neues, besorgt haben mich nur die beschriebenen Reaktionen gemacht: So waren die in Ostdeutschland zumeist gar nicht vorhanden (warhscheinlich ein Relikt aus DDR-Zeiten). In vielen Städten scheint der Rechtsradikalismus dort auch zur Normalität geworden zu sein. In Westdeutschland gab es dann doch Gegenargumente von Bürgern, aber dennoch auch hier Zustimmung. Und die Zahl der Leute, vor allen Dingen der Jugendlichen, die sich der NPD, etc. anschließen wächst. So existieren wohl auch an den meisten Hauptschulen in meiner Umgebung rechtsradikale Cliquen - und ein Demonstration in der Krefelder Innenstadt hatte immerhin 150 Demonstranten. Und das, obwohl Krefeld zu Zeiten des 3. Reiches eine Hochburg der Zentrumspartei war.

Aber im internationalen Vergleich stehen wir ja eigentlich noch ganz gut da. Frankreich zum Beispiel hat eine sehr starke rechtsradikale Partei, im Elsass wählen meinen Informationen nach ein Drittel der Bevölkerung rechts und LePenn sietzt ja inzwischen auch im Europaparlament.
Man kann also wirklich nicht sagen, dass die Menschen "etwas gelernt haben". Viele haben es vielleicht, aber noch mehr scheinen bereit zu sein, noch einmal denselben Fehler zu begehen, wenn es ihnen schlecht geht. Und zur Zeit geht es halt vielen Menschen nicht gut (mental, nicht unbedingt materiell).

Dementsprechend fürchte ich auch, dass nur eine genaue Besprechung solcher Filme (und jeglicher Tiefgang ist Schulunterricht inzwischen untersagt worden, stattdessen bleibt alles an der Oberfläche) wirklich einen positiven Effekt hätte, da nicht alle mit diesen Filmen so verständnisvoll umgehen können wie du vielleicht. Und wenn ich mir da so die Leute aus meinem (Ex)Geschichtezusatzkurs anschaue, dann kann ich sagen, dass ich glaube zu wissen, wovon ich rede. Auch wenn die nicht rechtsradikal sind, bei dem bisschen Wissen was die meisten nur haben kann sich ein solcher Film nicht positiv auswirken.

Dahingehend mache ich mir auch immer wieder Gedanken. Wie kann man dies stoppen? Ich habe natürlich meine Ideen und würde auch gerne darüber diskutieren - allerdings ist das natürlich ein heikles Thema...
In diesem Zusammenhang erinnere ich (ein wenig ungern zwar, aber trotzdem) an den Thread über die Sicht der Täter im KZ, der auch aufgrund meiner liberalen Sichtweisen (ich bin immer für's diskutieren - also wahrscheinlich wie du auch) ein wenig zu Spannungen geführt hat, gelinde ausgedrückt.

Gruß
MI

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Talh
Moderator


Anmeldungsdatum: 07.11.2004
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BeitragVerfasst am: 31. März 2007 01:08    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich denke, Deutschland ist nach 45 dermaßen geschockt und "geheilt", dass solche Filme bei uns auf keinen fruchtbaren Boden mehr stoßen.


Das sehe ich ganz anders:

1. Die "Heilungsmethode" nach dem 2. WK, also die Verdrängungs- und Nazi-pfui-Politik hat selbst dazu geführt, dass man in Deutschland derzeit keine kritische, geschweigedenn objektive Diskussion über den Nationalsozialismus mehr führen kann. Wie will man zum Beispiel das Flächenbombardement der Alliierten anprangern, ohne in die rechtsextreme Ecke geschoben zu werden? Eine kritische Auseinandersetzung hiermit ist lange Zeit nicht möglich gewesen und wird es auch in absehbarer Zeit nicht sein.

2. Die Generation, die den Krieg noch aus persönlichem Erlebnis kennt und daher wirklich einen "Schock" fürs Leben erlitten hat, stirbt langsam aus. Die Jugend heute (einschließlich mir) kennt die NS-Zeit nur noch aus dem Geschichtsbuch und aus Filmen, Computerspielen etc., die nicht alle authentisch sind. Es besteht keine persönliche Beziehung mehr zum Nationalsozialismus und den Gräueln des Krieges, was irgendwann gezwungenermaßen dazu führen wird, dass auch in Deutschland wieder ein Völkermord begangen oder ein barbarischer Krieg vom Zaun gebrochen wird. Mag es 2 oder 1000 Jahre dauern - das kommt bestimmt.

3. Vorurteile gegenüber Ausländern und Angehörigen anderer Religionen sind in diesem Land so gesellschaftsfähig wie schon lange nicht mehr. Die Medien überschlagen sich mit Artikeln zur angeblichen "stillen Islamisierung", der "Bildung von Parallelgesellschaften" usw. und sind nicht in der Lage, dem normalen Konsumenten ein objektives Bild vom Islam und den in Deutschland lebenden Muslimen zu vermitteln. Das bietet so viel Potenzial für Vorurteile, dass "der Türke", "der Moslem" etc. in den Augen nicht weniger Bürger schon fast ein Feindbild geworden ist. In der öffentlichen Diskussion werden zum Thema Islam nicht ausschließlich, aber AUCH sehr fragwürdige Meinungen vertreten, und nicht alle stammen sie aus der NPD-Ecke.
[edit: Natürlich betrifft das auch andere Religionen, aber beim Islam fällt es derzeit sehr auf.]

4. Nach dem Wiedererlangen der nationalen Souveränität 1990 hat sich Deutschland an mehreren militärischen Auslandseinsätzen beteiligt. Über ihren Sinn oder Unsinn will ich hier nicht diskutieren, aber: die globale Verantwortung Deutschlands wächst. Damit müssen wir neue politische und auch militärische Mittel in Erwägung ziehen, und die letzten Auslandseinsätze der Bundeswehr waren da erst der Anfang.
Wenn ich dann höre: "Die Deutschen müssen das Töten wieder lernen" (was zum Kriegführen unweigerlich dazu gehört), dann frage ich mich ernsthaft, ob angesichts der wachsenden außenpolitischen Bedeutung Deutschlands unsere Einstellung gegenüber Menschen und Menschenleben nicht zwangsweise beeinträchtigt wird. Vernünftige Menschen töten einander nicht - um einen Menschen zu töten, muss man ihn auf eine niedere Ebene degradieren, wie einem Tier oder einem Objekt.
Ja, die Bundeswehr wird noch oft in alle Welt ausrücken, und es wird der Tag kommen, da unsere Soldaten nicht mehr mit weißer Weste heimkehren...

Um also deine Frage zu beantworten:
Die Deutschen sind heute für rechtsradikale Propaganda meiner Meinung nach so empfänglich wie seit dem Nationalsozialismus selbst nicht mehr.
Ich bin deshalb ganz entschieden dagegen, NS-Propaganda völlig unkommentiert zu zeigen. Weder einem Schüler noch einem Erwachsenen.

Stattdessen sollte man einen Film in der Schule aufführen, der den Zuschauer tatsächlich mit einem Schock zurücklässt und den vollen Wahnsinn des Nationalsozialismus vor Augen führt. So ein Schock, zwar synthetisch, aber gefühlt echt, muss nahe an den Schock herankommen, den die Deutschen 1945 fühlten. Vielleicht ist es so möglich, uns die Erinnerung an die Verbrechen während des NS-Regimes über mehrere Generationen hinweg ins kollektive Gedächtnis zu rufen und uns zu erinnern, dass wir eine Wiederholung der Geschichte verhindern müssen. Andernfalls könnte dieses Bewusstsein in einigen Jahrzehnten verschwunden sein.
Als den Film mit dem bestmöglichen "Schockvermögen" halte ich "Schindlers Liste", auch wenn ich den Film trotz FSK 12 nicht auch schon Schülern dieses Alters zeigen würde.
Lhunhil



Anmeldungsdatum: 14.02.2007
Beiträge: 14

BeitragVerfasst am: 31. März 2007 13:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo

Um es nochmal ausdrücklich zu sagen: ich bin nicht dafür, diese Filme zu legalisieren und sie am besten noch als DVDs auf der Straße zu verteilen. Es geht um eine kritische Außeinandersetzung in der Schule gehen.

In Deutschland haben wir ja eh viele Nazi Verbote, aber in Amerika zum Beispiel darf man sich umgestaft als Nazi Zeigen, auch Hakenkreuze usw... sind absolut legal. Man sieht also, wir Deutschen haben ja noch mehr Verstand als andere Länder.

Und: Viele, die Nazis sind ja nur dümmliche Idioten und haben keine Ahnung. Die meisten setzten sich nicht mit dem Thema und der Ideologie außeinander, sondern rufen nur dumme Parolen oder fühlen sich toll, wenn sie Hitler nachmachen oder "Sieg Heil" rufen...

Wie wir das Thema lösen sollen? Man bekommt erst in der 9. Klasse am Gym das Thema Nationalsozialismus dran, viel zu spät wie ich meine.

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Talh
Moderator


Anmeldungsdatum: 07.11.2004
Beiträge: 251
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BeitragVerfasst am: 31. März 2007 15:27    Titel: Antworten mit Zitat

Lhunhil hat Folgendes geschrieben:
Man sieht also, wir Deutschen haben ja noch mehr Verstand als andere Länder.

Ich finde, das hat mit Verstand nichts zu tun. Es ist einfach eine andere Politik. Eine absolute Meinungsfreiheit für ALLE Parteien wie in den USA findet auch ihre vernünftige Berechtigung.

Zitat:
Viele, die Nazis sind ja nur dümmliche Idioten und haben keine Ahnung.

Na, da wäre ich vorsichtig mit Pauschalieren. Natürlich gibt es in der rechtsextremen Szene auch kopflose Mitläufer. Aber die Propaganda wird von klügeren Köpfen gemacht.

Zitat:
Man bekommt erst in der 9. Klasse am Gym das Thema Nationalsozialismus dran, viel zu spät wie ich meine.

Geschichte fängt mit der Steinzeit an und hört bei aktueller Politik auf. Eins nach dem andern. Dass der Nationalsozialismus deshalb erst in der 9./10. Klasse auf dem Lehrplan steht, ist meiner Meinung nach völlig in Ordnung. Wie will man denn den Nationalsozialismus verstehen, ohne vorher die Weimarer Republik, den Ersten Weltkrieg usw. durchgenommen zu haben?
Zumal das Thema NS ja nicht nur Stoff des Geschichtsunterrichts ist, sondern auch in anderen Fächern angeschnitten wird, in Deutsch, Politik, Religion und vielleicht auch Englisch. Ich weiß nicht wie es heute bei Sextanern ist, aber in meiner Schulzeit wurde das Thema NS so oft durchgekaut, dass es mir zum Hals raushing.

Was verstehst du eigentlich unter "sich kritisch mit dem NS auseinandersetzen"? In der 10. Klasse musste ich die wesentlichen Inhalte der NS-Doktrin in- und auswendig lernen. Im Geschichte LK dann noch genauer, intensiver. Wie MI schon sagte, kratzt der Geschichtsunterricht leider nur an der Oberfläche der Themen, was bei der immensen Themenvielfalt, die ein Lehrer den Schülern vermitteln muss, ja auch gar nicht anders sein kann. Da muss man das vertiefende Wissen eben denen vorbethalten, die sich später mit Geschichte genauer befassen wollen und deshalb den LK belegen.
Wenn man dann also diese Doktrin lernt, sei es in der 9. oder der 13. Klasse, setzt man sich dann natürlich auch damit auseinander. Es ist ja nicht so, dass man Lehrstoff völlig unreflektiert aufnimmt. Der Schüler tut mir leid, der lernt, ohne zu denken!
Lhunhil



Anmeldungsdatum: 14.02.2007
Beiträge: 14

BeitragVerfasst am: 31. März 2007 18:47    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich finde, das hat mit Verstand nichts zu tun. Es ist einfach eine andere Politik. Eine absolute Meinungsfreiheit für ALLE Parteien wie in den USA findet auch ihre vernünftige Berechtigung.

Das ist falsch. Wer sich in den USA als Kommunist öffentlich zeigt kann sofort eingesperrt werden.

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MI
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Anmeldungsdatum: 01.11.2004
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BeitragVerfasst am: 31. März 2007 21:36    Titel: Antworten mit Zitat

Klar, deswegen hat die USA auch acht öffentliche als kommunistisch eingestufte Parteien grübelnd . Der Kommunismus ist in den USA zwar verpöhnt, aber verboten ist er meines Wissens dann doch nicht - andernfalls wäre die USA aber auch reichlich unglaubwürdig.

Aber wie gesagt: Ich stimme dir schon zu, dass eine Auseinandersetzung mit diesen Filmen möglich sein sollte - allerdings sehe ich inzwischen auch ein, dass viele Leute einfach nicht das nötige Hintergrundwissen haben um sich damit vernünfitg auseinandersetzen zu können. Schulen sollte es aber eventuell unter bestimmten Auflagen genemigt werden - aber für so etwas ist einfach keine Zeit. Und einfach nur den Nationalsozialismus zu behandeln halte ich für reichlich schwachsinnig. Ich stimme Talh voll und ganz zu: Die Geschichte der Menschheit (soweit es uns möglich ist sie relativ sicher zu rekonstruieren) fängt nun einmal in der "Steinzeit" an und der Nationalsozialismus ist nur ein kleiner Teil der neuen Geschichte. Und ich kann dir sagen: Er wird nicht zu kurz kommen. Ab der 9 bzw. 10 war er eigentlich Dauerthema, zumdindest immer irgendwie da, ob in Zusammenhängen oder tatsächlich explizit in der Äußerung.
In Amerika zum Beispiel wird ein solcher Geschichtsunterricht oft nicht gemacht. Man bespricht Amerikas Geschichte in diesem Stil (naja, so ungefähr), aber über Europa ist nur ein Nationalsozialismus-Kurs Pflicht. Viele amerikanische Jugendliche haben somit überhaupt keine Ahnung. Manche denken tatsächlich, dass Hitler noch an der Macht wäre, weil sie nichts anderes gehört haben. Sie kennen Deutschland nur als Holocaust-Land.
Ich selbst war für ein paar Wochen in den USA, bei Philadelphia um genau zu sein, und habe dort ein paar Mal ein Referat über die Europäische Union gehalten. Die meisten hatten keine Ahnung, was das ist (bis auf die Klassen der Hochintelligenten, die wussten sehr genau, was Sache ist. Auch einige Einzelpersonen waren gut informiert oder zeigten wirkliches Interesse. Das sei am Rande erwähnt, um zu zeigen, dass das "keine Ahnung haben" natürlich nicht für alle gilt). Nachher war immer Zeit für Fragen. Über die Europäische Union kamen keine - wie auch, wenn man nichts darüber weiß? Erst wenn man mehr weiß, kann man differenziertere Fragen stellen. Stattdessen wurde ich gefragt "What do you think about Hitler". Passend zum Thema natürlich. Ich muss ehrlich sagen, über die Frage hab ich mich aufgeregt, nicht öffentlich zwar, aber dennoch. Meiner Meinung nach ist die Frage absurd. "Hitler" ist nicht so sehr von Interesse. Nur die Ideologie halte ich für wichtig, denn diese ist ja die Wurzel des Übels und auch heute noch von Interesse. Außerdem kann ich keine differenzierten Gefühle gegenüber einer Person haben, der ich mich nur auf intelektuellem Wege genähert habe (so ist zumindest meine Meinung). Über seine AKTIONEN kann ich natürlich dennoch eine Meinung haben.

@Talh:
Wir haben Schindler Liste damals in Religion geguckt. In der Achten. Unser Lehrer hat uns damals freigestellt, den Unterricht zu besuchen, weil er uns vorher gesagt hat, er könne niemanden zwingen sich solche Grausamkeiten anzuschauen, dennoch halte er es für richtig, sie bei dem Thema zu zeigen (ich glaube wir haben Religionen im 20. Jahrhundert gemacht oder so etwas).
Ich muss sagen, das war damals ziemlich beeindruckend, aber ich fand es auch richtig, den Film zu gucken.

Gruß
MI

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Lhunhil



Anmeldungsdatum: 14.02.2007
Beiträge: 14

BeitragVerfasst am: 31. März 2007 22:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo

Ja, diese Amis sind echt total ungebildet und die breite Masse Dumm wie Stroh LOL Hammer Auch eben sowas wie "Allgemeinbildung in geschichte" Fehlt... einfach nur schrecklich, aber was will man machen?

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Talh
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Anmeldungsdatum: 07.11.2004
Beiträge: 251
Wohnort: Frankfurt a.M.

BeitragVerfasst am: 01. Apr 2007 02:03    Titel: Antworten mit Zitat

Lhunhil hat Folgendes geschrieben:
Ja, diese Amis sind echt total ungebildet und die breite Masse Dumm wie Stroh LOL Hammer Auch eben sowas wie "Allgemeinbildung in geschichte" Fehlt... einfach nur schrecklich, aber was will man machen?

Dafür würde sich so mancher Amerikaner aufregen, dass deutsche Schüler so wenig über die US-amerikanische Geschichte wissen. Zum Beispiel, dass die Kommunistenverfolgung unter McCarthy so um 1956 auch schon zu Ende war.
"Was, da werden gar keine Kommies mehr verfolgt?" dürfte auf einen Amerikaner die gleiche Wirkung haben wie auf einen Deutschen die Frage: "Was, Hitler ist schon 60 Jahre tot?"

Es ist absolut nichts Ungewöhnliches, dass auf dem Lehrplan eines Landes hauptsächlich die Geschichte des eigenen Landes steht. Ob das gut ist oder nicht, sei dahingestellt. Aber haben wir uns in Geschichte z.B. mit der japanischen Vergangenheit auseinandergesetzt? Dabei ist die ja wohl auch für die Weltgeschichte bedeutend, ist Japan doch mittlerweile eines der einflussreichsten Länder der Welt, sein Einfluss (besonders kulturell) auch in Europa zu spüren, und das japanische Selbstverständnis kommt auch nicht von ungefähr, genauso wie das deutsche Selbstverständnis wesentlich durch den 2. WK geprägt wurde. Das einzige, was ich in der Schule über die japanische Geschichte gelernt habe: "Atombombe Hiroshima". Und das war's dann auch. Ist das nicht traurig? (Aber zum Glück kann man sich ja auch außerschulisch Wissen aneignen.)
Lhunhil



Anmeldungsdatum: 14.02.2007
Beiträge: 14

BeitragVerfasst am: 01. Apr 2007 11:51    Titel: Antworten mit Zitat

Also, unser Erdkunde Lehrer hat uns erzählt, dass man als Kommunist in den USA sich strafbar macht... Hat denn nun jemand eine verbindliche Quelle, ob es nun strafbar ist oder nicht?
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Anmeldungsdatum: 01.11.2004
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BeitragVerfasst am: 01. Apr 2007 13:05    Titel: Antworten mit Zitat

Da hat euer Lehrer aber wirklich einen richtigen Bock gebaut. So was habe ich wirklich noch nie gehört!

Ich habe ja gesagt: In der USA gibt es acht ÖFFENTLICHE als kommunistisch eingestufte Parteien. Teilweise haben die auch in den 80ern und 90ern Präsidentschaftskandidaten gestellt. Ich glaube nicht, dass das so einfach möglich gewesen wäre, wenn sie verfolgt worden wären!
Allerdings gab es eine Zeit der Kommunistenvervolgung (wie Talh ja schon gesagt hat - über ihre Stichwörter könntest du schon genug finden). Ansonsten schau mal unter dem Stichwort "McCarthy-Ära" bzw. "McCarthyism" nach. Das ist der Term, der meines Wissens dafür benutzt wird.

Und wie gesagt: Auch mein Post ist zu relativieren: Es gibt in den USA genug Leute, die keine Ahnung haben von Europa, noch weniger von europäischer Geschichte oder aktueller europäischer Politik (und in dem Punkt sind die meisten Europäer glaube ich schon anders: Die breite Masse weiß glaube ich schon ein wenig mehr über amerikanische Poltik als die Masse der USA über europäische), aber dennoch darf man keine Schwarz-Weiß-Malerei machen. Viel besser sind wir Europäer ja auch nicht - wie man an vielen Fragen hier erkennt (und wie ich immer wieder auch an mir selbst leider merke).

@Tahl:
Richtig, über den fernen Osten wird fast nichts gemacht (20. Jahrhundert haben wir aber schon in Ansätzen gemacht), dennoch glaube ich, dass der Europäer, allein weil er den Kolonialismus und Imperialismus ein wenig betrachten muss, einiges mehr an vielseitigerer Geschichte macht als der Amerikaner - "viel" würde ich es aber natürlich trotzdem noch nicht nennen Augenzwinkern .

Gruß
MI

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