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fullmoongirl
Anmeldungsdatum: 24.12.2006 Beiträge: 35
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Verfasst am: 11. Jan 2007 18:35 Titel: zensur |
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hallo ich wollte euch fragen und eure meinung hoeren ob zensur sinnvoll oder wichtig ist.den meiner meinung nach,wenn uns was verboten wird,werden wir noch mehr neugiriger darauf.was denkt ihr,pro oder contra? |
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MI Administrator

Anmeldungsdatum: 01.11.2004 Beiträge: 1710 Wohnort: München
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Verfasst am: 14. Jan 2007 12:18 Titel: |
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Zensur. Ein sehr interessantes wie umstrittenes Thema.
Ich möchte damit beginnen ein paar Beispiele anzuführen:
Ein/e Mann/Frau erklärt, er sei unzufrieden mit dem Regime und erklärt inwiefern es seine persönlichen Rechte verletzt hat. Die Veröffentlichung dieser Unmutserklärung bringt ihm einen Platz im Gefängnis.
Ein Land unterdrückt Informationen zum Schutze seiner Bürger, die sexuellen oder gewalttätigen Inhalts sind.
Ein/e Mann/Frau lässt öffentlich antisemitische Meinungen fallen und wird dafür bestraft, seine Veröffentlichung gelöscht.
Was davon ist Zensur, was nicht? Das zweite Beispiel habe ich (unschwer zu erkennen) aus China oder arabischen Staaten übernommen, allerdings ist das letzte ein speziell Deutsches.
Kommen wir zu einer Definition der Zensur:
| Wikipedia hat Folgendes geschrieben: | | Zensur (censura) ist ein Verfahren eines Staates bzw. einer einflussreichen Organisation oder eines Vertreters davon, um durch Medien vermittelte Inhalte zu kontrollieren, unerwünschte Aussagen zu unterdrücken bzw. dafür zu sorgen, dass nur erwünschte Aussagen in Umlauf kommen. |
Diese Definition finde ich eigentlich sehr schön allgemein und zutreffend. Ich will sie einmal streng wörtlich benutzen und nicht "auslegen". Was aber ist dann Zensur?
Ich zitiere weiter:
| Grundgesetz hat Folgendes geschrieben: | Art. 5 Abs. 1 u. 2 [Meinungs- und Pressefreiheit]
1) Jeder hat das Recht seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre. |
So wir die obige Definition von Zensur als richtig erachtet, ergibt sich hieraus ein Widerspruch:
1. Es findet keine Zensur statt.
2. Zensur ist ein Verfahren eines Staates ... Inhalte zu kontrollieren
3. Diese Recht finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze. Ergo: Allgemeine Gesetze verbieten die Veröffentlichung bestimmter Inhalte.
Daraus folgt: Es findet Zensur statt - oder wir müssen unsere Definition ändern. Unsere Regierung verwendet also genauso Zensur wie arabische oder chinesische Regierungen.
Und jetzt können wir zur Frage übergehen, ob Zensur gut oder schlecht ist, und zwar möchte ich mit der "deutschen Zensur" beginnen. So sind zum Beispiel gewisse rechtsextreme oder antisemitschen Äußerungen Verboten (Leugnung des Holocausts, z.B.). Abgesehen davon, dass diese Äußerungen sich meiner Meinung nach dem gesunden Menschenverstand entziehen, ist es also strafbar, solche Aussagen zu tätigen. Dies soll, so die Bundesregierung, auch auf ganzheitlich europäischer Basis verboten werden, nicht nur in deutschsprachigen Ländern.
Was also steckt dahinter? 1. soll die Verbreitung solcher Inhalte verhindert werden, weil sie für die Gesellschaft als gefährlich eingestuft werden. Das allein halte ich für keinen vernünftigen Grund zur Zensur. 2. steht dies im Zusammenhang mit dem Grundgesetz:
| Grundgesetz hat Folgendes geschrieben: | Art. 1, Abs. 1 u. 2 [Schutz der Menschenwürde]
1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und äußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. |
Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, warum antisemitische und rassistische Äußerungen verboten sind. Sie verletzen die Würde anderer Menschen und verstoßen daher gegen diesen Artikel.
Ist also die "deutsche Zensur" doch keine Zensur? Sie bleibt und wird immer bleiben, eine definitionsgemäße Zensur. Allerdings steht die menschliche Würde noch über der Meinungsfreiheit, auch wenn beide die Grundlage der deutschen Demokratie bilden (zusammen mit Religionsfreiheit, Gleichheit vor dem Gericht, Geschlechtergleichheit, etc.) und deswegen steht die Meinungsfreiheit in diesem Fall hinter der Menschenwürde zurück, ergo: Zum Schutze der Menschenwürde darf die Meinungsfreiheit verletzt werden.
Es findet also eine "positive Zensur" statt. Aber die Frage bleibt, ob dies gerechtfertigt ist. Ich glaube, die Antwort auf diese Frage muss jeder für sich selbst finden - ich habe sie noch nicht gefunden.
Gehen wir weiter zur "chinesischen Zensur", die ja die umstrittenste der Welt ist.
Meinen Informationen nach verbieten die Chinesen jegliche staatsfeindlichen Äußerungen und verhängen gegen Staatsfeinde menschenrechtsverletzende Strafen. Außerdem behält sie sich vor "schlechtes" Gedankengut zu zensieren. Ist diese Zensur also eine "negative Zensur"? In den Augen der "Befürworter des Individualismus", wie wir europäischen Staaten uns nennen könnten, ist es das sicherlich, denn die Menschenrechte werden untergraben. Aber die Chinesen haben keine demokratische Vergangenheit sondern eine kommunistische. Und der Kommunismus in dieser Art praktiziert (und sehr unterschiedlich vom Marxismus) stellt den Staat an oberste Stelle. Das Staatswohl kommt also vor der Meinungsfreiheit und der Würde des einzelnen Menschen. In dem Sinne ist also die Zensur ebenfalls eine "positive Zensur".
Die Frage ist also nicht die, was eine negative oder was eine positive Zensur ist, sondern welches der beiden Systeme, die individual- und menschenrechtsorientierte Demokratie oder der gemeinwohlorientierte chinesische Kommunismus. Und DAS ist eine andere Frage.
Was ich damit sagen will: Jedes Land, das ich ein wenig kenne, benutzt auf die ein oder andere Weise die Zensur zur Datenkontrolle. Die einen weniger und für uns normal und ersichtlich (Deutschland), die anderen mehr (China), die anderen staatsrechtlich motiviert (Deutschland, China), die anderen religiös (VAE --> Pornographie ist komplett verboten, meines Wissens nach). Ob sie als nützlich oder schlecht eingestuft wird ist eine andere Sache.
Jetzt kommen wir zum Internet:
| Internetglossar hat Folgendes geschrieben: | | Zensur Bitpolizisten sind im Internet nicht gern gesehen. Hier gilt das ungeschriebene Gesetz der unzensierten Rede. Seit Kinderpornos und militante Rechte im Weltnetz Skandale auslösten, fordern immer mehr Regierungen eine digitale Zensur. | (http://www.kraftstation.de/kraftstation/internezzo/glossar.html#z)
Das Internet verkörpert also die "unzensierte Rede". Jeder kann sagen und machen was er will. Dieser Irrtum beruht auf der Annahme eines "gesetzfreien Raums". Heutzutage ist es, wie gesagt wird, ja schon nicht mehr so. Dennoch war es (und ist es teilweise) möglich, alles im Internet zu verbreiten ohne gegen Gesetze zu verstoßen. Sollten aber gewisse Dinge verboten werden? Kinderpornographie zum Beispiel. Die Religion verbietet das natürlich, Menschenrechte werden auch verletzt, etc. deswegen sind sich fast alle einig, dass dies zensiert werden müsse.
Auf der anderen Seite ist die Frage, was für andere Dinge zensiert werden - zum Schutze des Bürgers.
Wie zum Beispiel der Rechtsextremismus. Theoretisch kann so etwas doch frei sein? Jegliche Art der Information muss doch frei erhältlich sein, denn ein gut und vielseitig informierter Bürger ist doch die GRUNDLAGE der Demokratie. Und jeder Bürger wird doch wohl sehen, was gut ist und was schlecht. Dieses liberale Denken beruht auf der Annahme, der Mensch - ab einem gewissen Alter - sei vernünftig und könne selbst entscheiden, was gut oder schlecht sei.
Natürlich können Kinder das nicht - und deswegen müsse man Kindern besonderen Schutz zukommen lassen. Ein Kind kann noch nicht entscheiden, was gut für es ist oder nicht.
Nun ist diese Grundannahme aber unkorrekt. Die emotionale Steuerung kann nie ganz ausgeschaltet werden, und da der Mensch ein der biologischen Grundlage nach beschränktes Wesen ist, hat er auch nicht den Überblick über sämtliche Informationen und glaubt an Halbwahrheiten oder Trugschlüsse, die er irgendwoher nimmt. Diese überprüft er kaum und gibt sich mit seinem "Wissen" zufrieden. Dies geschieht in allen Kreisen und jeder Mensch unterläuft hier dieselben Fehler. Keiner hat wirklich alle Infos auf einem Gebiet - aber es gibt immer Leute, die ein Gebiet (z.B. den Rechtsextremismus) genauer studiert haben und besser Bescheid wissen. Diese Menschen wissen, wo die Informationsgefahren liegen und versuchen, die Leute aufzuklären. Da ihnen das aber nicht vollends gelingt, beschließen sie, dass es - zum Schutz der Bevölkerung - besser sei diese Informationen zu verbieten. | Zitat: | | "Manchmal muss der Mensch zu seinem Glück gezwungen werden" |
Genauso argumentieren alle Zensisten. Sie gehen sogar noch weiter. Wenn ein Mann sagen würde: "Ich möchte, dass ihr mich als Sklaven behandelt und Nacktbilder, etc. im Internet ausstellt" dann darf dies nicht geschehen. Auch wenn, er selbst seine Einstimmung gemacht hat, dann muss das Individualrecht hier eingschränkt werden und sein eigener Wille ignoriert werden. Sprich: Er darf NICHT so behandelt werden. | Zitat: | | "Man muss den Mensch vor sich selbst schützen" |
Was heißt das für die Zensur: Zensur zum Schutze ist also vielleicht wirklich nicht so schlecht?
Aber da tut sich die Frage auf: Wer bestimmt, was für den Menschen gut ist oder nicht? Sind die "Experten" wirklich "Experten" oder unterlaufen ihnen dieselben Fehler? Könnte die Zensur also zu weit getrieben werden? Als Beispiel möchte ich hier das Buch "The day they came to arrest the book" anführen, wo es genau um das Thema geht. Wenn man die Zensur einmal zulässt, wird dann die Informationsmenge nicht ganz schnell eingeschränkt? Der "gute Wille" ist zwar gut - aber allein reicht es dafür nicht.
Und aus dem Grund halte ich Zensur für notwendig, aber trotzdem für falsch im ideologischen Sinne und schlage "einen Kompromiss" vor: Ein Staat darf gemäß seiner Verfassung eine Hierarchie der Werte aufbauen. Alle Werte, die über der Meinungsfreiheit stehen, dürfen durch Zensur geschützt werden.
Allerdings bin ich auch der Meinung, dass die Meinungs- und Pressefreiheit eines der höchsten Güter ist und in allen Gesellschaften sein sollte, weil nur so ein wirklich vielfältiger Mensch ausgebildet werden kann.
Aus dem, was ich bis jetzt gesagt habe, kann man außerdem schließen, dass ich Zensur, die nicht aus dem Motiv des Schutzes, sondern aus dem Motiv der Täuschung oder Verheimlichung geschieht, als grundlegend falsch erachte. Hierbei zählt schon der Wille.
Aber wie gesagt: Das ist nur MEINE Meinung...
Gruß von einem völlig unvollkommenen
MI
Anmerkung: Alle Beispiele sind frei gewählt, haben keine konkreten Vorbilder und entziehen sich meiner eigenen Meinung. _________________ I have seen war, I hate war
Franklin D. Roosevelt |
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fullmoongirl
Anmeldungsdatum: 24.12.2006 Beiträge: 35
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Verfasst am: 14. Jan 2007 13:48 Titel: |
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da gebe ich dir recht,das in jedem land die zensur anders ist,aber je mehr man zensiert (grad in jugendzeitschriften oder wofuer sich jugenliche interssieren) dass machen sie doch noch mehr neugieriger darauf es zu erfahren. |
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MI Administrator

Anmeldungsdatum: 01.11.2004 Beiträge: 1710 Wohnort: München
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Verfasst am: 14. Jan 2007 13:50 Titel: |
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Da geb ich dir Recht. Was man nicht wissen soll übt einen besonderen Reiz aus . _________________ I have seen war, I hate war
Franklin D. Roosevelt |
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