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Objektivität in der Geschichte
 
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sidi34



Anmeldungsdatum: 21.09.2006
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 21. Sep 2006 17:55    Titel: Objektivität in der Geschichte Antworten mit Zitat

Hallo!
Habe hier eine Frage, und es wäre toll, wenn ihr mir eure Meinungen/Antworten dazu sagen könntet:
Gibt es Objektivität in der Geschichtswissenschaft?
MacHarms



Anmeldungsdatum: 11.11.2004
Beiträge: 622
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 21. Sep 2006 18:40    Titel: Re: Objektivität in der Geschichte Antworten mit Zitat

sidi34 hat Folgendes geschrieben:

Gibt es Objektivität in der Geschichtswissenschaft?


Selten!


Gruß von der Waterkant,

Peter
MI
Administrator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 1710
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 21. Sep 2006 21:34    Titel: Antworten mit Zitat

MacHarms hat Folgendes geschrieben:
Selten!


... Vor allen Dingen nicht, wenn die "Geschichtswissenschaft" im staatlichen Interesse geschieht.

Gruß
MI

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sirius



Anmeldungsdatum: 16.04.2006
Beiträge: 85
Wohnort: Erlangen

BeitragVerfasst am: 26. Sep 2006 01:03    Titel: Objektivität Antworten mit Zitat

Vor etlichen Jahren gab es einen Historikertag unter dem Motto "Geschichte als Argument". Fand ich toll, dass da die gesamt Fachwissenschaft zugab, was ohnehin jeder sehen kann: Geschichte lässt sich analysieren, aber wenn man sie wieder zusammen setzt, d.h. wenn man sinnvolle Aussagen über ihren Verlauf oder über dessen Ursachen und folgen gar machen will, dann stützt sie primär das, was man schon vorher sagen wollte. Klar: Es gibt auch neue Erkenntnisse, die Bekanntes über den Haufen werfen. Aber auch deren Interpretation unterliegt der Subjektivität des Betrachters, seinen Interessen und Wertungen.
Einfacher: Auch historische Erkenntnis folgt aus dem erkenntnis-leitenden Interesse des Wissenschaftlers.
Wer das zugibt, agiert durchaus fair. Nur wer das leugnet, agiert als Ideologe.

Subjektive Grüße
Sirius

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Ehrenmoderator


Anmeldungsdatum: 08.09.2004
Beiträge: 701

BeitragVerfasst am: 27. Sep 2006 15:46    Titel: Antworten mit Zitat

Objektivität hat es und wird es in der Geschichtswissenschaft nie geben. Das fängt doch schon damit an, welchen Quellen aus der Geschichte man wirklich glauben darf. Antike Autoren, die Geschichtsforschung betrieben haben (Bsp. Nepos, Livius) sind alle nicht obejktivitiv. Das ist alleine bei einem Vergleich von schriften Beider genannten Personen zu sehen:
Bsp. Livius stellt Hannibal als brutale, metzelnde Kampfmaschiene da.
Nepos versucht sich mehr in objektivität und stellt ihn auch als mensch dar, erklärt seine Kindheit etc.
Beide autoren stehen jedoch unter Einfluss des römischen Staates, die immer hannibal als Feind darstellen wollten. Also Objektivität weit gefehlt. Hinzu kommt noch, dass es selten mehrer übereinstimmender Quellen gibt.
Also ich finde die Geschichtsforschung, die sich auf schriftliche Quellen stützt kann nie von einem objektiven Ergebnis einer Analyse sprechen.
sirius



Anmeldungsdatum: 16.04.2006
Beiträge: 85
Wohnort: Erlangen

BeitragVerfasst am: 27. Sep 2006 15:59    Titel: Objektivität Antworten mit Zitat

Bevor das Ganze nun allzu sehr nach Kritik an den so un-objektiven Historikern klingt, sollte man doch darauf hinweisen, dass Subjektivität nun mal zur Wahrnehmung und damit auch zur Beschreibung von Zusammenhängen gehört - je komplexer, desto subjektiver. Das gilt heute genauso:
Versuch doch mal einer, die Debatte um die Gesundheitsreform, das Thema Terrorismus und Islam oder auch nur ein Verkehrsproblem in der eigenen Stadt zu beschreiben und dabei keine subjektiven Erwägungen einfließen zu lassen. Das geht nicht, weder bei der Wortwahl noch bei der Auswahl des Gesagten noch ...
Aber freuen wir uns: Wir sind subjektiv und damit individuell!

Soweit ganz objektiv
Sirius

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Anmeldungsdatum: 08.09.2004
Beiträge: 701

BeitragVerfasst am: 28. Sep 2006 15:25    Titel: Antworten mit Zitat

Ich stelle jetzt einfach mal ganz mutig folgende These auf:
Es gibt keine Objektivität! Die eine objektive Meinung ist höchstens die Summe aller subjektiven.

Das will ich jetzt einfach mal so in den raum stellen, mal sehen, wer und ob überhaupt jemand mir zustimmt. Thumbs up!
MI
Administrator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 1710
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 28. Sep 2006 15:43    Titel: Antworten mit Zitat

Doch, da würde ich dir schon grundsätzlich zustimmen, das liegt einfach am menschlichen Gehirn. Wir können nun einmal nicht alles erfassen, doch unser Gehirn macht uns das dennoch vor, denn sonst könnten wir ja auch keine Entscheidungen treffen. Es gibt aber, meiner (subjektiven) Meinung nach, verschiedene GRADE der Subjektivität und ein Geschichtswissenschaftler sollte versuchen so nah wie möglich der Objektivität anzunähern indem er zum Beispiel verschiedene Bücher über dasselbe Thema liest, die von ganz verschiedenen Seiten geschrieben sind. Und so kann man dann ab einem bestimmten Grad von Objektivität auch schon davon sprechen - aber letzte Zweifel müssen natürlich immer bleiben.

Meiner Meinung nach könnte wirklich nur ein allwissendes Wesen (quasi ein vollkommener Gott, der Physiker würde sagen ein Laplacescher Dämon) objektiv sein - wenn er auch sein gesamtes Wissen benutzt (eine weitere Eigenschaft, die der Mensch NICHT besitzt: Wir benutzen nicht immer all unser Wissen, sondern klammern gerne auch einmal das ein oder andere aus).
Deshalb könnte auch die kollektive Meinung nicht objektiv sein, aber ich denke schon, dass du Recht hast, wenn du sagst, sie sei objektiver als die Meinung eines Einzelnen.

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sirius



Anmeldungsdatum: 16.04.2006
Beiträge: 85
Wohnort: Erlangen

BeitragVerfasst am: 28. Sep 2006 16:26    Titel: Objektivität Antworten mit Zitat

Eines gefällt mir an dieser Diskussion nicht: Es klingt immer ein wenig so, als wäre Objektivität ein positiver Wert an sich. Politik (und auch die in Geschichte geronnene Politik) aber lebt vom Konflikt, von der intersubjektiven Willensbildung. Auch die Gegenwart zeigt, dass (schein-)objektive "Gutachter"-Gremien die politische Entscheidung (und Entscheidungsverantwortung) nicht ersetzen können.
Und was die Summe aller Subjektivismen betrifft: Wahrscheinlich ist es schon, dass man sich so der Objektivität nähert. Einfacher wäre es, man definiert Objektivität einfach so. Möglich wäre freilich auch, was schon Schiller schreibt, dass Vernunft nämlich immer nur bei wenigen gewesen ist. (Dumm, dass man nicht weiß, WER diese wenigen sind!). Platter, aber auch nicht ganz falsch, ist die Forderung nach allgemeinem Konsens: "Fresst Scheiße! Zehn Millionen Fliegen können nicht irren."

Subjektive Grüße also
Sirius

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Anmeldungsdatum: 08.09.2004
Beiträge: 701

BeitragVerfasst am: 02. Okt 2006 19:46    Titel: Antworten mit Zitat

Das streite ich agr nicht ab, ohne jegliche Subjektivität könnten Menschen agr nicht leben. Jegliche Grundsubstanz für eine Kommunikation wäre ja nicht vorhanden. Eine Kommunikation beruht ja im wesentlichen darauf, das Menschen sich unterschiedliche Nachrichten austauschen, die subjektiv sind.
Und du erwähnst die Politik richtig. Würde es keine Parteien geben, die alle ihre eigenes, subjektives Programm verfolgen, könnte es keine Debatten geben und der wahrscheinlich richtige Weg, ein Kompromiss aus allem würde nicht existieren.
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