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carolin



Anmeldungsdatum: 08.09.2006
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 09. Sep 2006 09:12    Titel: Grundwissen Antworten mit Zitat

Hallo zusammen

Ich möchte das jetzt einfach mal wissen.
Es gibt Schüler bei uns wenn da ein neues Thema kommt wissen die immer noch alte Themen.

Aber wenn ich mich errinere, weiss ich überhaupt nichts was ich vorher behandelt habe auch wenn es mich doch interessiert.

Könnt ihr mir vielleicht ein Buch empfehlen oder eine Homepage wo ich das wichtigste über allgemein Geschichte erfahre?

Oder wie habt ihr es gemacht, das ihr wenigstens ein Grundwissen in der Geschichte habt, Kriege, Könige, ??

Hilfe

Lieben Gruss, freu mich auf alle Antworten Gott
MI
Administrator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 1710
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 09. Sep 2006 17:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ich werde auch ständig gefragt, woher ich mein Wissen habe - wobei ich das nicht immer verstehe, denn die meisten Dinge habe ich ja im Unterricht gelernt und die anderen mit mir. Wie du beschreibst, können sich auch meine Stufenkammeraden nicht mehr an viele Dinge erinnern. Zuerst habe ich nie verstanden wieso (außer, dass mein Gedächtnis insgesamt ziemlich gut ist), aber dann habe ich einige Dinge herausgefunden.

Ich kenne viele Leute, die immer wieder im Unterricht mit Dateneinwürfen kommen und einige gibt es auch, die mir Fragen im Stil von "Am soundsovielten im Jahr soundsoviel wurde doch der und der geboren (oder: passierte das und das)" stellen. Wenn die Leute mit solchen Details kommen, dann wundert sich der Laie immer und denkt: "Wow, was die alles wissen". Aber "wissen" diese Leute wirklich etwas? Meistens nein. Wenn du ein wenig weiterfragst, meinetwegen nach Gründen oder Konsequenzen oder wenn du zum Beispiel nach dem Einfluss irgendeines Geschehnisses auf das Ausland fragst, dann herrscht meist Ruhe. Die meisten Leute, die mit einer Menge von Jahreszahlen aufwarten können, verstehen die Zusammenhänge nicht und wissen also fast nichts. Sie haben lediglich dulle Daten auswendiggelernt - wie ein Lexikon. Das aber kann nun einmal nicht jeder und, da man diese Daten im Übrigen überall nachschauen muss, ist es zudem sinnlos, wenn man sich nicht beruflich in diese Richtung orientieren will. Aber ansonsten finde ich das Auswendiglernen von Daten extrem langweilig. Und dann klappt das auch nicht so.

Ich sage immer: Man muss lernen in Zusammenhängen zu denken. Der Überblick ist das Wichtigste Ich muss zugeben, ich kenne fast kein einziges Datum, nur die Allerwichtigsten sind irgendwie in meinem Kopf verankert, darunter der Beginn der franz. Revolution, der 1. Weltkrieg oder so etwas. Alles andere kann ich bis auf ein paar Jahre genau einordnen - weil ich etwas von den Zusammenhängen verstehe. Ein triviales Beispiel: Wenn du weißt, dass Hitler auch deswegen sehr viel Zustimmung im Volk erhielt, weil die Leute aufgrund einer großen wirtschaftlichen Krise am Abgrund standen und er erklärte, dass er sie herausholen würde und wenn du dazu weißt, dass Hitler so um die Jahre 32,33 wirklich an die Macht kam, dann kannst du daraus schließen, dass die Wirtschaftskrise um das Jahr 30 gewesen sein muss. (Anm.: Es gibt sicherlich bessere Beispiele).
Außerdem kann es passieren, dass du irgendetwas hörst und du dann erkennst "klar, das ist doch logisch" - die Zusammenhänge lernst du also auch erkennen. Wieder ein Beispiel: Wenn du weißt, dass Venedig in seiner großen Blütezeit von Handelsmonopolen mit östlichen Mittelmeerregionen lebte und vor allen Dingen den Gewürzmarkt beherrschte und du erfährst, dass Spanier und Portugiesen (später auch Engländer und Franzosen) im Zuge der Entdeckungen von Amerika und des Seewegs ums Kap der Guten Hoffnung herum andere Quellen für Gewürze, etc. fanden, dann kannst du dir erschließen, was das für die Bedeutung von Venedig als große Handelsstadt bedeutet, die keine Kolonien in Amerika hat.

So macht Geschichte denn auch wirklich Spaß und du behälst die Dinge viel besser, weil unser Gehirn ja darauf ausgerichtet ist, in Zusammenhängen zu denken und nicht isolierte Details zu betrachten. Du merkst dir einfach eine Reihe von Schlagwörtern, bzw. du lernst in Assoziationsketten zu denken, die sich nach und nach zusammenfügen und ausgeschmückt werden. Wenn du dann also irgendein Thema machst, dann fallen dir dazu irgendwelche Begriffe ein, die du dir als wichtig eingeprägt hast und dann kannst du zum Lexikon greifen und bequem nachschauen, denn du weißt ja, WAS du nachschauen musst.

Ein weiteres Beispiel: Wenn mich also jemand fragt: "Wann ist denn Trajan eigentlich genau gestorben?", dann frage ich mich: "Was bringt mir dieses Wissen?" und ich weiß es auch nicht. Aber ich überlege: Trajan, das war der Typ der die Daker vernichtet hat. Außerdem weiß ich, dass die Daker die letzte wirklich große Eroberung der Römer darstellten. Dann überlege ich: Ich weiß, dass der Hadrianwall in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. gebaut wurde und Hadrian damit das Imperium Romanum weiter gegen ausländische Feinde schützte. Danach gab es keine großen Regionseroberungen mehr. Also muss Trajan davor gewesen sein. Dann überlege ich: Da war doch noch was mit dem Limes und einem Trajanwall und ich denke mir: Stimmt ja, Trajan wollte auch schon das Reich befestigen und sichern und das war ja auch ein Grund, warum er Dakien erobert hat. Also bin ich wieder zurück bei den Dakern. Aber was habe ich gelernt? Trajan muss kurz vor Hadrian gelebt haben und wenn Hadrian in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. gelebt hat, dann muss wohl Trajan so um die 100 n. Chr. gelebt haben. Und wenn ich gerade ein Lexikon hab, dann schlag ich es einfach nach und da steht dann: Trajan (98-117 n. Chr.).
(Anm.: Als ich das gerade hingeschrieben habe, habe ich dann noch einmal - aus Interesse - nach dem Trajanwall geguckt, wobei ich dann herausfand, dass jener wahrscheinlich nicht von Trajan erbaut wurde, sondern erheblich später - und mit wesentlich anderer Funktion)

Deswegen ist es auch schwierig zu sagen: Nimm dir diese Website, da steht dann alles Wichtige drinne. Ich empfehle: Es gibt so Bücher (nicht so teuer glaube ich) in denen die Geschichte an einer Zeitleiste dargestellt ist. Damit fängt man dann an und bildet die ersten - lückenhaften - Assoziationsketten, bis man glaubt einen kleinen Überblick gewonnen zu haben und dann kann man einfach ein paar Assoziationen gezielt nachlesen und erlangt so ein immer besseres Bild von der Situation und hat gleichzeitig die Chance auch im Alltag aufgeschnapptes (Zeitung, Urlaub, etc.) sinnvoll in einen Sachzusammenhang zu bringen und das geht dann auch nicht verloren.

Gruß
MI

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Franklin D. Roosevelt
MacHarms



Anmeldungsdatum: 11.11.2004
Beiträge: 622
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 09. Sep 2006 18:07    Titel: Antworten mit Zitat

Mit dem geschichtlichen Grundwissen ist es m.E. so, daß man sich wichtige geschichtliche Eckdaten einfach auswendig einprägen muß, wie z.B.

- die Kriegszüge Alexanders des Großen und dessen Leben,
- den Gallischen Krieg und Caesars Lebenszeit,
- die Varusschlacht,
- die Eroberung Britanniens durch die Römer,
- die Krönung Karls des Großen,
- die Schlacht von Hastings,
- die Entdeckung Amerikas,
- den Dreißigjährigen Krieg,
- den Siebenjährigen Krieg,
- die napoleonischen Kriege,
- den Ersten Weltkrieg,
- die Nazizeit und den Zweiten Weltkrieg.

Alsdann muß man ein Geschick entwickeln, die übrigen Ereignisse in dieses Zeitschema richtig einzuordnen.

Um (wirklich) alle "Kriege und Könige" nachschlagen zu können, habe ich einen dicken Wälzer (2066 Seiten): "DATEN DER WELTGESCHICHTE - Die Enzyklopädie des Wissens" von Prof. Werner Stein.

Als Informationsquelle im Internet empfehle ich www.wikipedia.de (und die ggf. bei den dortigen Artikeln befindlichen Weblinks).


Gruß von der Waterkant,

Peter
carolin



Anmeldungsdatum: 08.09.2006
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 09. Sep 2006 18:23    Titel: Antworten mit Zitat

MI hat Folgendes geschrieben:
So macht Geschichte denn auch wirklich Spaß und du behälst die Dinge viel besser, weil unser Gehirn ja darauf ausgerichtet ist, in Zusammenhängen zu denken und nicht isolierte Details zu betrachten. Du merkst dir einfach eine Reihe von Schlagwörtern, bzw. du lernst in Assoziationsketten zu denken, die sich nach und nach zusammenfügen und ausgeschmückt werden. Wenn du dann also irgendein Thema machst, dann fallen dir dazu irgendwelche Begriffe ein, die du dir als wichtig eingeprägt hast und dann kannst du zum Lexikon greifen und bequem nachschauen, denn du weißt ja, WAS du nachschauen musst.

Gruß
MI


Hi MI

Genau so habe ich es mir auch mal vorgestellt. Aber dazu bräuchte ich trotzdem ein paar Punkte. Ich werde deswegen nach einer Zeitleiste suchen und MacHarms Punkte auswendig lernen.

Ich glaube schon daran, dass Geschichte dann Spass machen wird. Nur ist es jetzt einfach öde wenn ein neues Thema kommt und ich nichts mehr vom alten weiss. Obwohl ich es durchgenommen habe.

Also nochmals vielen vielen Dank für deinen Super Tollen Beitrag MI. Ich werde immer mal zurückgreifen und mich hoffentlich verbessern Thumbs up!
MacHarms



Anmeldungsdatum: 11.11.2004
Beiträge: 622
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 09. Sep 2006 18:48    Titel: Antworten mit Zitat

Warnung:

Die "MacHarms-Punkte" sind nur Beispiele; es gibt noch weitere Eckdaten, die man stets parat haben sollte, wie z.B.

- Untergang des weströmischen Reichs (oft als Beginn des Mittelalters bezeichnet),
- Untergang des oströmischen Reichs (oft als Beginn der Neuzeit angesehen),
- Proklamation des deutschen Kaiserreichs im Spiegelsaal von Versailles.


Gruß,

Peter
ProGeologist



Anmeldungsdatum: 11.01.2006
Beiträge: 28
Wohnort: Southend-on-Sea, Great-Britain

BeitragVerfasst am: 18. Sep 2006 18:06    Titel: Antworten mit Zitat

Ich würde an deiner Stelle nur das auswendig lernen, was dich auch interessiert. Das behält man auch besser und man kann dann damit auch glänzen. Bei mir ist das z.B. die Geologische Zeitskala oder alles, was mit Fussball zu tun hat.
Denn man lernt ja nicht für die Schule, sondern für das Leben.

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am Ende fehlt der Esprit
den der Anfang versprüht.
MI
Administrator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 1710
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 18. Sep 2006 19:15    Titel: Antworten mit Zitat

ProGeologist hat Folgendes geschrieben:
Denn man lernt ja nicht für die Schule, sondern für das Leben.


Und eben deshalb halte ich einen guten Geschichtsunterricht, der die wichtigsten geschichtlichen Zusammenhänge erläutert (und NICHT ÜBERALL IN DÄMLICHE DETAILS GEHT) für UNABDINGBAR.

In der Stern stand vor ein paar Wochen ein Bericht über einen amerikanischen Historiker (Tony Judt), bzw. ein Interview mit ihm über sein neues Buch. (Hier ein Link).
Herr Judt erklärt dort, dass man in Amerika teilweise nur einen Kurs außeramerikanische Geschichte belegen muss: Holocaust oder 2. Weltkrieg. Entsprechend reduzieren viele Amerikaner die Deutschen auf eben jenes Bild, was durch diese Kurse vermittelt wird (auch WENN gesagt wird, dass das Bild veraltet ist. Im Übrigen habe ich diese Reduzierung teilweise selbst erlebt, wobei ich durchaus auch das Gegenteil erlebt habe). Wozu führt eine solche völlige Ignoranz der gesamtgeschichtlichen Zusammenhänge? Meiner Meinung nach zu einer mangelnden Denkfähigkeit und einem voreiligen Ziehen von falschen Schlüssen.

Denn im Grunde genommen muss ein Geschichtsunterricht folgendes klar machen und lehren:
1. Wenn irgendein Land, eine Person oder irgendein Ereignis als perfekt gut oder komplett böse dahingestellt wird, so muss man stutzig werden. Man sollte weitere Nachforschungen anstellen und die Fakten überprüfen. Fast immer findet man Ungereimtheiten oder Verfälschungen, denn die Geschichte wurde fast immer verfälscht und fast nie korrekt wiedergegeben - und BESONDERS das Internet hat damit Probleme.
2. In der Weltgeschichte passiert fast nichts ohne Grund. Der deutsche Faschismus z.B. war kein Zufallsprodukt, genausowenig wie es die derzeitigen Spannungen im Nahen Osten sind, oder es die Französische Revolution war. Wenn also ein Land plötzlich attakiert wird, so muss man sich fragen, warum das passiert und man kann nicht einfach sagen: Wir waren doch immer gut, warum wir? So funktioniert das fast nie - auch wenn von dieser Praxis oft Gebrauch gemacht wird.
3. Geschichte lehrt Kultur. Die Unterschiede in der Mentalität vieler Länder (z.B. der Unterschied von Amerikanern und Chinesen) ist in der Geschichte der Länder zu erkennen und es wird auch deutlich, warum das jeweilige Volk diese Mentalität entwickelt hat. Meiner Meinung nach lehrt der Geschichtsunterricht also auch Völkerverständigung, denn er zeigt, warum Menschen anders sind und nimmt die Angst davor (und Angst ist oft der Grund für den Hass auf Andere). In sofern lehrt der Geschichtsunterricht also auch verstehen.
4. Der Geschichtsunterricht lehrt zu denken (wenn er nicht darauf basiert, dass Fakten auswendig gelernt werden, sondern einen Überblick verschaffen will und zeigen will, wie komplex einzelne Vorgänge sein können, ohne jedoch sich in den zahlreichen Details zu verstricken), denn die oben beschriebenen Dinge erfordern ein großes Maß an Reflexion, etwas, was äußerst wichtig ist - jedoch nur selten angewandt wird.

Ich habe aber eben von "sinnlosen Details gesprochen". Wie ich ja schon weiter oben vertreten habe, meine ich, dass der geschichtliche Gesamtzusammenhang klar werden muss. Dazu gehört auch ein Abriss der chinesischen Geschichte (etwas, was in den Schulen nur allzuselten gemacht wird). Stattdessen verstricken wir uns in unserem Unterricht auf Details des Vertrags von Brest-Litovsk (o.ä.), während die meisten von uns schon schweigen, wenn es um die Frage des Siebenjährigen Krieges geht (ganz zu schweigen vom spanischen Erbfolgekrieg. So etwas haben wir NIE behandelt).
Ich sehe zwar ein, dass die Geschichte der eigenen Nation im Vordergrund stehen muss, denn mit dessen Tradition und in dessen Umgebung muss man schließlich leben, jedoch gibt es viele Geschichtslehrer, die sich zu sehr in Details verstricken. Für die Schüler gerät der Gesamtzusammenhang dann außer Reichweite und alles was sie lernen findet im Gehirn keine Verankerung.
Details sind schön und gut (und wenn man sie kann, dann kann man von mir aus auch damit glänzen), doch ein gewisser Überblick sollte immer da sein.

Deseiteren sagt Herr Judt, dass in Europa die einmalige Chance zur Vereinigung bestehe, denn Europa sei in vielen Beziehungen reifer als die meisten anderen Erdteile. Dies sehe ich vor allen Dingen in der Bewältigung der Vergangenheit. Die Europäer haben inzwischen so viele Kriege und Verbrechen an der Menschlichkeit begangen (und erlebt), dass sie begriffen haben, dass kein Land wirklich nur gut ist. Die Europäer haben auch damit begonnen diese Erkentniss zu benutzen und weiterzugeben. In diesem Zusammenhang finde ich auch bemerkenswert, dass vor einigen Tagen ein neues Geschichtsbuch für den Schulunterricht herausgegeben wurde, welches in Zusammenarbeit der deutschen mit der französischen Regierung entstanden ist und das 20. Jahrhundert abdeckt. Ich hatte die Chance dieses Buch einmal kurz in Augenschein zu nehmen und ich hatte den Eindruck, dass es tatsächlich ziemlich objektiv ist. Aber wie kann es auch anders sein? Wenn sich zwei Nationen zusammensetzen, die in diser Zeit bitter verfeindet waren, dann wird die jeweils andere Nation die Verschönerungen der ersten ausradieren, denn man hat ja die "Wirklichkeit" erlebt.
Und eine Schilderung durch den "Feind" führt, wenn anerkannt, sicherlich zu mehr Erkenntnis als die Selbstreflexion (der Mensch neigt nun einmal dazu, unschöne Passagen zu verschönern).

In diesem Sinne glaube ich deutlich gemacht zu haben, warum ein guter Geschichtsunterricht, bzw. ein gewisser Grad an "Grundwissen", unabdingbar für den Fortbestand und die weitere Entwicklung der Menschheit ist.

Gruß
MI

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Franklin D. Roosevelt
sirius



Anmeldungsdatum: 16.04.2006
Beiträge: 85
Wohnort: Erlangen

BeitragVerfasst am: 19. Sep 2006 13:58    Titel: Antworten mit Zitat

Wow, Mi! Das ist ein beeindruckendes Plädoyer für Geschichte!
Aber es stimmt schon: In der Geschichte kann man lernen, dass Vorgänge Ursachen haben, wie man diese verschleiert und wie man diese Verschleierung durchschaut. Nichts wiederholt sich einfach, weshalb Geschichte von sich aus keine einfachen Lehren zu ziehen erlaubt (historia non docet); aber man kann so aus ihr lernen, wie es Mi beschreibt, weshalb man trotzig anfügen könnte: "... sed discere licet".

Dummerweise kann man ohne Fakten auch keine Ursachen und Folgen beschreiben, und so kommt man immer wieder auf das notwendige Grundwissen zurück. Nur halte ich nichts von einem mehr oder minder festen "Kanon" der Geschichtszahlen. Diese haben eigentlich nur einen Sinn: ein Gefühl zu geben für historische Abstände und damit für die Geschwindigkeit von Abläufen. So kann man eine Revolution von "normaler" Entwicklung unterscheiden. So merkt man, dass der Abstand zwischen dem Niedergang des römischen Reiches und der römischen Kaiserkrönung Karls (der doch nicht sooo lang erscheint!) ebenso lang ist wie der zwischen heute und dem 30jährigen Krieg (an den sich ja wohl keiner mehr so lebhaft erinnern kann). Oder: Wem ist auf Anhieb bewusst, dass das Nazireich und der gesamte Zweite Weltkrieg kürzer dauerten als die Regierung Kohl?
Bei einem Historikertag hat das mit den notwendigen Zahlen ein Mensch vom Geschichtslehrerverband einmal so formuliert: "Man muss ja nicht wissen, wann Karl der Große und wann Luther gelebt hat, aber es ist für das Verständnis von Geschichte wichtig zu wissen, wer vor wem gelebt hat." Oder anders herum: Was nützt es, wenn einer weiß, dass 333 bei Issos Keilerei war, wenn er nicht weiß, warum diese Schlacht wichtig war?

Ansonsten bleibt natürlich noch das herbeigeholte Wissen für nette Reden: "Heute, an diesem Tag vor genau ... Jahren, ereignete sich ...."

Also was heute vor 100 oder so jahren war - da müsste ich erst nachschauen!
Gruß
Sirius

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ProGeologist



Anmeldungsdatum: 11.01.2006
Beiträge: 28
Wohnort: Southend-on-Sea, Great-Britain

BeitragVerfasst am: 19. Sep 2006 16:05    Titel: Antworten mit Zitat

Aber auch als Historiker musst du zugeben, dass man sich das, was einem nicht so sehr interessiert, nicht gut behalten kann. Ich könnte dir jetzt was über die Wichtigkeit geologischer Kenntnisse sagen, da sie einem in einer Notsituation mehr helfen als Daten und Ereignisse während der Russischen Revolution....Aber lassen wir das.
Ich habe auch nie behauptet, das man Geschichte so für gar nichts gebrauchen kann. Nein, Geschichte bildet schon einen wichtigen Hintergrund für (fast) alle Themen. Ja sogar im Fussball ist die Geschichte wichtig (ich sollte auch schon einmal über die historische Wichtigkeit des Sieges der Fussballweltmeisterschaft 1954 für Deutschland referieren --- ist dann aber leider ausgefallen). Aber sie bildet halt nur einen Hintergrund. Man kann nicht nur nach Geschichte Leben. Es hat noch nie jemanden gegeben, der nur nach Geschichte gelebt hat. Man kann nach der Philosophie, nach der Wissenschaft, für dier Musik o.ä. leben, aber nicht nach oder für die Geschichte, da es uns eigentlich nicht betrifft (es ist ja schon etwas länger her Augenzwinkern )

Aber das Ziel des Lebens ist es ja, einen Sinn für jenes zu finden. Aber dies bietet Geschichte nicht.

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Talh
Moderator


Anmeldungsdatum: 07.11.2004
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BeitragVerfasst am: 19. Sep 2006 23:44    Titel: Antworten mit Zitat

Na, ich denke schon, dass uns Geschichte betrifft. Die Fehler der Vergangenheit haben andere gemacht, aber wir müssen mit ihnen leben und sollten aus ihnen lernen. Geschichte erklärt, warum das so ist, welche Fehler immer und immer wieder gemacht wurden und deshalb besonders gemieden werden sollten. Geschichte mag deshalb keine echte Lebenshilfe für das Individuum sein, aber für das Kollektiv - z.B. die Politik.
Und die besteht aus?
Trommelwirbel!
Menschen.

Nur so als kleine Ergänzung, ohne damit eine Riesendiskussion lostreten zu wollen Augenzwinkern Falls Antworten kommen: Ich befinde mich gerade mitten in einem Umzug. Kann dauern, bis ich antworte.
sirius



Anmeldungsdatum: 16.04.2006
Beiträge: 85
Wohnort: Erlangen

BeitragVerfasst am: 20. Sep 2006 18:51    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist doch kein Streitpunkt, ProGeologist. Natürlich lebt keiner "nach Geschichte" ,aber ich kenne auch keinen, der nur nach Musik lebt. Da gebe ich schon zu: Für mein privates Leben mag die Geologie zumindest deshalb ganz wichtig sein, weil es Geologen sind, die nach Erölfeldern suchen und ich recht gern Auto fahre. Aber Gemeinschaften können tatsächlich kein Bewusstsein ihrer selbst entwicklen oder Bewusstsein ihrer Geschichte und damit auch keine Zukunft gestalten. (Von der Frage nach den Fehlern und dem Lernen will ich hier gar nicht reden.) Das ist auch allen bewusst: Man muss sich nur einmal den Wirbel bei Jubiläen anschauen - und Jubiläen sind immer Ausdruck historischen Bewusstsein. Deshalb hat Marx schon recht, wenn er zugespritzt sagte: Ich kenne nur eine Wissenschaft - die der Geschichte.
Simpler: Alles findet zu einer Zeit statt - und das ist die grundlegende historische Komponente. Wenn wir leben, sind wir Teil von ihr.

So, und jetzt langt's wohl wieder mit dem zelebrierten Selbstbewusstsein. Auch die vielen Hilfswissenschaften der Geschichte, die es im universum scientiae so gibt, sollen leben!

Freundliche Grüße an alle Wissenschaften
Sirius

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Administrator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
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BeitragVerfasst am: 21. Sep 2006 22:04    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Auch die vielen Hilfswissenschaften der Geschichte, die es im universum scientiae so gibt, sollen leben!


Volle Zustimmung! Die Geschichte ohne die anderen Wissenschaften ist nicht so spannend, die anderen Wisenschaften ohne die Geschichte sind hohl. "Die Mischung machts"

In diesem Sinne:
Grüße an Alle
Martin

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Anmeldungsdatum: 08.09.2004
Beiträge: 701

BeitragVerfasst am: 27. Sep 2006 15:50    Titel: Antworten mit Zitat

Bitte was?
Ich bin leidenschaftlicher Physikschüler und muss sagen, dass Physik ohne Geschichte sehr gut auskommt. Ich sehe hier auch keinen direkten Zusammenhang.
Mit der Ausnahme, dass die meisten Naturgesetzte halt irgendwann in der Vergangenheit entdeckt wurden.
Aber richtig historisch wird der naturwissenschaftliche Unterricht nie und sollte es auch nicht werden. Welcher Naturwissenschaftler muss auch schon wissen, dass Archimedes von Römern getötet wurde.
MI
Administrator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 1710
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 27. Sep 2006 16:28    Titel: Antworten mit Zitat

Ich rede hier auch mehr von den GESELLSCHAFTSwissenschaften (versuche mal Politikwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft oder auch Geographie ohne geschichtliches Hintergrundwissen zu betreiben - ich fänd's schwierig) , eventuell denen, die man als GEISTESwissenschaften bezeichnet. Die NATURwissenschaften sind natürlich noch eine andere Schiene, okay, du hast Recht, das hätte ich präzisieren müssen.
Wobei auch hier die geschichtlichen Zusammenhänge interessant sind, wenn auch - wie du ja sagst - nicht so zwingend notwendig. Allerdings war unser Physik- und Chemieunterricht quasi "nach der Geschichte aufgebaut", d.h.: die Mechanik der Antike wurde besprochen, danach kam die Mechanik bis Newton, in der Optik ging man ebensoweit, die fortschrittlicheren Theorien kommen dann - was allerdings nur logisch ist (übrigens: auch ich liebe die Physik - oder das, was ich mir davon bisher vorstellen konnte - und werde dieses Fach als mein Studiumfach wählen).

Gruß
MI

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Anmeldungsdatum: 08.09.2004
Beiträge: 701

BeitragVerfasst am: 28. Sep 2006 15:27    Titel: Antworten mit Zitat

Irgendwie ist es immer leichter, wenn man sich an der Geschichte entlang hangeln kann. So hat jedes Themengebiet (egal welcher Wissenschaft) immer einen Rahmen, an dem man die verschiedenen Entwicklungen erklären kann. Also ohne Geschichte würde ja jedem Vortrag/Präsentation ein wenig der rote Faden fehlen.
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