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Mao Tse-Tung
 
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mao
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BeitragVerfasst am: 14. Feb 2011 11:09    Titel: Mao Tse-Tung Antworten mit Zitat

Meine Frage:
War eigentlich alles, was Mao machte schlecht?
Ich hab vor kurzem ein Buch gelesen, "Der Chinese" von Henning Mankell und da wird beschrieben, dass eines der Ziele Maos war, den Klassenunterschied zu beseitigen.
Er wollte vor allem armen Bauern helfen und mehr soziale Gerechtigkeit schaffen.
Seine harte Führung wurde damit begründet,dass er das Land vereinen wollte und keine Aufstände aufkommen lassen wollte.

Er wird in der westlichen Welt zu sehr schlecht gemacht, finde ich.

Kann man das so sehen?

Meine Ideen:
-
DmitriJakov



Anmeldungsdatum: 15.11.2010
Beiträge: 164

BeitragVerfasst am: 14. Feb 2011 14:37    Titel: Antworten mit Zitat

Henning Mankell ist in erster Linie Romanautor. Und als solcher hat er natürlich die künstlerische Freiheit seine politische Meinung in seinen Werken so einzuarbeiten, wie er sie eben empfindet.

Obwohl er zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat, sind seine Ansichten keineswegs unumstritten. Insbesondere seine Haltung zu Israel hat lauten Widerspruch ausgelöst. Die Auszeichnungen beziehen sich hauptsächlich auf das Genre Kriminalroman und auf sein Afrika-Werk (Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2009). Die Auszeichnung Corine (2008) für seinen Roman "Der Chinese" erfolgte in der Kategorie Hörbuch.

Zu Mao Tse Tung im Allgemeinen: Wie ein Staatsmann eines solchen alibers von der Geschichte bewertet werden wird, lässt sich heute noch gar nicht abschätzen. Dafür war Mao als Herrscher über ein Viertel der Weltbevölkerung einfach viel zu bedeutend um bereits heute ein mehr oder weniger objektives Geschichtsbild über ihn zu finden.

China hatte zwar eine weitaus weniger agressiv expansive Politik der Verbreitung des Kommunismus als es die Sovietunion an den Tag legte. Dennoch war es vor allem auch für die Amerikaner sehr schmerzlich diesen großen Verbündeten an die Kommunisten verloren zu haben.

Aufgrund seiner gigantisch großen Bevölkerung wurde und wird bis heute sowohl in Deutschland als auch anderswo, permanent negativ über China berichtet. Ob es sich um Taiwan oder Tibet handelt, oder um Menschenrechte, um Umweltsünden (z.B. 3-Schluchten-Staudamm, CO2 Emissionen) oder um Produktpiraterie, man lässt an China kein einziges gutes Haar.

Dieses politisch gewollte negativ-Bild wirkt natürlich nach und überlagert stark das Bild eines Historikers. Von daher ist es praktisch unmöglich aus einem derart geringen zeitlichen Abstand von nur 35 Jahren den Staatsgründer Chinas historisch fair beurteilt zu finden.
Devin Cant
Moderator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 270

BeitragVerfasst am: 14. Feb 2011 21:57    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, ein wirklich genialer Staatsmann, der China wieder zu einem Platz an der Weltspitze führte und dem Volk Frieden und Wohlstand brachte... *Sarkasmus Ende*

Der Preis dafür war ein Massenmord, der Hitler und Stalin weit in den Schatten stellte. Der wirkliche Aufstieg Chinas begann übrigens erst, als Maos Nachfolger das Chaos beseitigt und sich dem (inoffiziellen) Kapitalismus zugewendet hatten.

Was zur westlichen Haltung gegenüber dem heutigen China gesagt wurde, mag dagegen zum Teil der Wahrheit entsprechen.

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"Wenn man eine ruhmvolle Tat zu erzählen hat, so braucht man nicht zu sagen, dass sie ruhmvoll gewesen ist. Die einfache Darstellung des Verlaufes enthält das Lob. Nicht dem Erzähler, sondern dem Leser gebührt, die Anerkennung zu spenden." - v. Moltke
DmitriJakov



Anmeldungsdatum: 15.11.2010
Beiträge: 164

BeitragVerfasst am: 15. Feb 2011 00:00    Titel: Antworten mit Zitat

@Devin Gant

Hmm, vielleicht ist das nicht klar genug rübergekommen: Ich habe keineswegs irgendeine moralische Wertung vornehmen, sondern eher die Bedeutung Maos für die Weltgeschichte hervorheben wollen.

Bedeutende "Massenmörder" gab es genug in der Geschichte, die auch völlig unterschiedlich bewertet werden. Überraschenderweise hat Napoleon ein recht gutes geschichtliches Image, obwohl er fast eine halbe million Soldaten in Russland hat verrecken lassen.

Auch Eisenhower ist ein großer Staatsmann, obwohl er als Befehlshaber im 2. Weltkrieg für zigtausende Zivilopfer unter der französischen Bevölkerung mit die Verantwortung trug.

Auch Dschingis Kahn und Alexander der Große waren keine Kinder von Traurigkeit, was ihre Eroberungsfeldzüge betraf.

Ich formuliere es mal so: Die Geschichte verzeiht einem Herrscher, der hunderttausenden seiner Landsleute den Tod brachte, indem er sie in den Krieg schickt, aber sie tendiert Herrscher zu verurteilen, wenn sie eine ähnlich hohe Zahl durch Unterdrückung zu Tode kommen lassen. Eine etwas merkwürdige Moral, wie ich finde.
Xabotis
Moderator


Anmeldungsdatum: 29.12.2010
Beiträge: 319

BeitragVerfasst am: 15. Feb 2011 07:05    Titel: Antworten mit Zitat

Eben die Moral des Gewinnens und des Mitleids.

Wink

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Alles ist ein Zugang, um das Zentrum zu suchen.
(Konfuzius)
Devin Cant
Moderator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 270

BeitragVerfasst am: 15. Feb 2011 20:48    Titel: Antworten mit Zitat

DmitriJakov hat Folgendes geschrieben:
Hmm, vielleicht ist das nicht klar genug rübergekommen: Ich habe keineswegs irgendeine moralische Wertung vornehmen, sondern eher die Bedeutung Maos für die Weltgeschichte hervorheben wollen.


Nun gut, weltgeschichtlich wird er vielleicht wirklich mal als der große Führer dargestellt werden, der China auf den Weg von einer zersplitterten und schwachen Nation zur führenden Weltmacht gebracht hat. Das lässt sich jedoch meiner Meinung nach heute noch nicht beurteilen, da es noch nicht absehbar ist, wie sich die VR China in den nächsten Jahrzehnten weiter entwickeln wird.

DmitriJakov hat Folgendes geschrieben:
Ich formuliere es mal so: Die Geschichte verzeiht einem Herrscher, der hunderttausenden seiner Landsleute den Tod brachte, indem er sie in den Krieg schickt, aber sie tendiert Herrscher zu verurteilen, wenn sie eine ähnlich hohe Zahl durch Unterdrückung zu Tode kommen lassen. Eine etwas merkwürdige Moral, wie ich finde.


Das sehe ich durchaus anders. Nahezu kein Herrscher, der seine Soldaten in den Krieg schickt, möchte deren Tod. Sie kämpfen in der Regel für ehrenwerte Ziele wie die Verteidigung ihres Landes, die Vermehrung des Wohlstandes ihres Volkes oder dergleichen, auch wenn die Motive des Herrschers nicht zwangsläufig damit übereinstimmen müssen. Selbst ideologisch getarnte Kriege haben in der Regel hauptsächlich nationale Ziele (z.B. französische Revolutions- und Koalitionskriege, Aufbau und Vermehrung der französischen Hegemonie unter dem Deckmantel der Befreiung und Demokratisierung der besetzten Gebiete).
Kernpunkt ist jedoch, dass dabei hauptsächlich dem Feind, und nicht dem eigenen Volk geschadet werden soll.

Maßnahmen wie der Große Sprung oder die Kulturrevolution mögen in den Köpfen der Kommunisten vielleicht ebenfalls ehrenwerte Ziele gehabt haben, aber der dadurch ausgelöste Terror richtete sich ausschließlich gegen die eigene Bevölkerung und hatte in der Praxis keinerlei Verbesserungen der Lage zur Folge.

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Xabotis
Moderator


Anmeldungsdatum: 29.12.2010
Beiträge: 319

BeitragVerfasst am: 15. Feb 2011 20:54    Titel: Antworten mit Zitat

Wahrscheinlich habe ich deine Antwort falsch interpretiert, aber es hört sich für mich ganz danach an, als gewännest du einem Krieg etwas positives ab?

Wink

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(Konfuzius)
Devin Cant
Moderator


Anmeldungsdatum: 01.11.2004
Beiträge: 270

BeitragVerfasst am: 15. Feb 2011 22:23    Titel: Antworten mit Zitat

Xabotis hat Folgendes geschrieben:
Wahrscheinlich habe ich deine Antwort falsch interpretiert, aber es hört sich für mich ganz danach an, als gewännest du einem Krieg etwas positives ab?


Kommt immer auf den Einzelfall an, da betrachte ich mich als realpolitisch. Nicht umsonst erlaubt die UN-Charta auch heute noch "friedenserzwingende Maßnahmen".
Aber damit kommen wir vom Thema ab.

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DmitriJakov



Anmeldungsdatum: 15.11.2010
Beiträge: 164

BeitragVerfasst am: 16. Feb 2011 01:03    Titel: Antworten mit Zitat

Nicht umsonst legen Satiriker und Kabarettisten den Politikern gerne folgenden Satz in den Mund: "Wie werden euch den Frieden bringen, auch wenn wir euch alle dafür umbringen müssen" oder etwas entschärft: "... und wenn es sein muss mit Gewalt"

Es gibt keinen gerechten Krieg oder gerechte Ziele, die einen Krieg rechtfertigen. Jeder Krieg trifft immer nur Unschuldige. Auch ein Befreiungskrieg ist letztendlich selbstsüchtig. Zumindest könnte er auch durch andere Mittel ersetzt werden.

Genausowenig ist die Gewaltsame Umerziehung eines Volkes zu rechtfertigen, um es in das Korsett einer wie auch immer gearteten Ideologie zu zwängen.

Andererseits ist ein Volk als Ganzes führungsbedürftig. Wenn es keinen Anführer gibt, dann wird durch das Volk - formell oder informell - ein Anführer erkoren, entweder aktiv gewählt oder passiv ersehnt.

In diesem menschlichen Spannungsfeld agiert ein Staatsmann. Er setzt durch, was nach seiner Ansicht zum Wohle seines Volkes ist und damit ist es auch seine Pflicht Widerstände von Interessengruppen zu überwinden, deren Ziele nicht am Gemeinwohl orientiert sind, sondern am Eigennutz.

Simmen die Ziele des Herrschers mit den Ansichten von befreundeten Nationen überein, so wird dieser Herrscher tendentiell als "gut" empfunden und auch geschichtlich so bewertet. Ist es anders herum, so wird ein solcher Herrscher nicht so wohlwollend betrachtet.

Insofern wird Mao Tse Tung von der europäischen Geschichtsschreibung wohl noch lange in eher schlechtem Licht betrachtet werden.

Geschichte ist eben keine exakte Wissenschaft, sie ist noch nicht einmal objektiv. Es gibt kaum eine weitere Wissenschaft, die ähnlich "unwisenschaftlich", meinungsgeprägt und wertend ist wie Geschichte.
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