RegistrierenRegistrieren   LoginLogin   FAQFAQ    SuchenSuchen   
Die Roten Khmer
 
Neue Frage »
Antworten »
    Foren-Übersicht -> Neuzeit
Autor Nachricht
.wolfi.
Gast





BeitragVerfasst am: 06. Aug 2004 14:48    Titel: Die Roten Khmer Antworten mit Zitat

Die Roten Khmer

Anfänge
Prinz Sihanouk war der erste, der die Bezeichnung Rote Khmer benutzte. Er meinte damit eine radikale und intellektuelle Studentengruppe aus Khmer, die sich einst in Paris gebildet hatte und nun ihre kommunistischen Ideen an den Universitäten in Phnom Penh lehrte. In den 50er Jahren kamen sie durch staatliche Stipendien nach Paris, wo sie studierten und bei der Kommunistischen Partei Frankreichs halt fanden. Dort entschlossen sie sich, eine eigene Partei, die Vereinigten Khmer-Studenten, zu gründen, die unter straffer Organisation eine Plattform für linke und nationalistische Ideen der kambodschanischen Studenten in Paris bildete. Zu dieser Partei gehörten Pol Pot, Leng Sary (Wird 1955 Vorsitzender der Vereinigten Khmer-Studenten. Ab 1957 unterrichtet er am Sisowath Lyzeum in Phnom Penh; von 1970 bis 1978 der persönliche Bewacher Sihanouks in Peking und Phnom Penh.), Khieu Samphan (aus der traditionellen Adelselite Kambodschas - wird später Generalsekretär der Studentengruppe; verfasste eine Dissertation über das wirtschaftliche Ideal der Roten Khmer, den geschlossenen Handelsstaat - in Phnom Penh veröffentlicht er die Zeitschrift L'Observateur), Nuon Chea (Von 1970 bis 75 ist er stellvertretender Oberkommandierender und oberster Politchef der Armee. Er gilt als einer der Hauptverantwortlichen für den Völkermord), Hou Youn (Nach seiner Rückkehr nach Phnom Penh wird er Direktor des Sisowath Lyzeums und Herausgeber radikaler Zeitschriften), Hu Nim und Son Sen.

1963 erschien im Zusammenhang mit den Studentenrevolten in Siem Reap eine Liste mit 34 Namen von Personen, die verhaftet werden sollten, die Roten Khmer gingen in den Untergrund, im nördlichen Urwald Kambodschas. Nach dem Wahlsieg der kambodschanischen Rechtskräfte 1966 und der Regierungsübernahme durch den von den USA unterstützten General Lon Nol begannen die Roten Khmer ihren bewaffneten Kampf im Norden des Landes. Starken Auftrieb erhielt die national-revolutionäre Bewegungen im Bauernaufstand von 1967 in Battambang, der ertragreichsten Reisexportprovinz mit zahlreichen Grundbesitzern. Schon Ende 1968 waren bereits 11 der 19 Provinzen von den Angriffen der Khmer Rouge erfasst. 1970 kontrollierten sie bereits alle Gebiete östlich des Mekongs und damit ein Drittel des Staatsgebietes. Im Jahre 1970 wurde Sihanouk durch Lon Nol gestürzt und ging ins Exil nach China. Seine Anhänger führten derweil an der Seite der Roten Khmer einen erbitterten Bürgerkrieg gegen die Regierung Lon Nol.

Pol Pot
Pol Pot (ursprünglicher Name: Saloth Sar), auch Pol Porth oder Tol Saut genannt wurde vermutlich am 19. Mai 1928 in der Provinz Kompon-Thom geboren.
Als Sohn eines Bauern verbrachte Pol Pot 6 Jahre seiner Kindheit in einer buddhistischen Pagode (Kloster), davon 2 Jahre als Mönch. In Phnom Penh, der Hauptstadt von Kambodscha, erlernte er das Zimmerhandwerk.
Pol Pot Er schloss sich der antifranzösischen Widerstandsbewegung unter Ho Chi Minh an und trat 1946 der verbotenen Kommunistischen Partei Indochinas (KPI) bei.
Von 1949 bis 1953 studierte Pol Pot mit einem Stipendium Radioelektronik in Paris. Kambodschanische Studenten, unter ihnen Pol Pot, Ieng Sari, Khieu Samphan, Nuon Chea und anderen, fanden sich 1956 als Funktionäre der kommunistisch-nationalistischen Partei "Vereinigte Khmer-Studenten"(UEK) zusammen.
Das politische Konzept der Roten Khmer beruhte auch auf nationalistische Elemente, 1952 warf er aus Paris, noch unter seinem alten Namen erstmals öffentlich dem von der französischen Kolonialmacht eingesetzten König Sihanouk vor, die "heilige Identität des Khmer-Reiches" an die Vietnamesen verraten zu haben. Er erklärt darin den König für abgesetzt und seine Gruppe, damals noch eine Fraktion in der Kommunistischen Partei Indochinas, zum "einzig authentischen Vertreter des kambodschanischen Volkes".
Zurück in Kambodscha lehrte er in einer Privatschule in Phnom Penh Geographie und Geschichte. Zugleich war er im Untergrund für die neu gegründete Kommunistische Partei Kambodschas tätig. 1960 kam er ins Zentralkomitee der Partei, 1961 wurde er zum Generalsekretär berufen, 1963 wurde er Parteisekretär.
In diesem Jahr ging Pol Pot in den Dschungel nahe der vietnamesischen Grenze und baute dort als „Bruder Nr. 1” die Guerillaorganisation der Roten Khmer auf. In den späten sechziger Jahren war er Oberbefehlshaber der Roten Khmer.
Von Mitte 1963 bis zum Einzug der Roten Khmer in Phnom Penh im April 1975 lebte Pol Pot auf dem Land.
Im Jahre 1975 unternahm er einen erfolgreichen Angriff gegen die Regierung Lon Nol. Pol Pot war von 1975 - 1979 kommunistisches Staatsoberhaupt (Ministerpräsident ab 76) in Kambodscha.
1979 floh die alte Regierung, Pol Pot setzte sich in den thailändischen Dschungel ab. Er führte aus dem Untergrund einen Guerillakrieg gegen die von Vietnam eingesetzte neue Regierung. Sein letzter öffentlicher Auftritt war ein Interview im Jahre 1979. 1982 schloss er sich mit den Oppositionsführern Prinz Sihanouk und dem ehemaligen Ministerpräsidenten Son Sann zu einer gemeinsamen Front zusammen,1985 trat er als Chef der Roten Khmer zurück.
Nachdem Pol Pot schon mehrmals totgesagt worden war, drangen nach jahrelanger Ungewissheit 1997 wieder Nachrichten an die Öffentlichkeit. Im Juli nahmen ihn abtrünnige Truppen der Roten Khmer gefangen und verurteilten ihn zu lebenslänglicher Haft. Am 15. April 1998 meldeten Rebellen der Roten Khmer aus dem kambodschanisch-thailändischen Grenzgebiet den Tod Pol Pots. Es tauchten Photos des aufgebahrten Pol Pot auf, die allerdings Zweifel an der Identität aufkommen ließen. Bevor allerdings der Leichnam von unabhängigen Fachleuten untersucht werden konnte, wurde er eingeäschert.

Versuch der Machtergreifung (1970-75)
Im April 1970 wird Prinz Norodom Sihanouk während einer Reise in der Sowjetunion und China von dem pro-amerikanischen Premierminister Lon Nol gestürzt und geht nach Peking, wo er eine Exilregierung gründet und sich mit der von Nordvietnam und China unterstützten Roten Khmer arrangiert. Er gründete die Funk-Partei, die alle
politischen Gegner der Regierung Lon Nol zusammenfasste, Monarchisten, Bauernrevolutionäre und bürgerliche Intellektuelle. Das »Politische Programm« der FUNK war es, „eine möglichst breite nationale Union herbeizuführen, um alle Manöver und Aggressionen der US-Imperialisten zu bekämpfen, die Diktatur ihrer Lakaien mit Lon Nol und Sirik Matak an der Spitze zu stürzen und ein gedeihendes Kampuchea aufzubauen“. Es sollten der Buddhismus als Staatsreligion erhalten, das Privateigentum gewahrt und eine nationale Bourgeoisie geschützt bleiben. In der Aussenpolitik strebte die FUNK einen Kurs der „nationalen Unabhängigkeit, des Friedens, der Neutralität und der Nicht-Paktgebundenheit“ an. Pol Pot rekrutierte hier unter anderen seine neuen Truppen. Zur Zeit des Sturzes Sihanouks (1970) verfügten diese Verbände über etwa 1500-3000 Mann, die in Gruppen von 50-90 Mann operierten.
Lon Nol schaffte die Monarchie ab und rief die Khmer-Republik aus. US-amerikanische und südvietnamesische Truppen marschieren zur Unterstützung der Regierung von Lon Nol in Kambodscha ein, um vietnamesische Truppen zu vertreiben, die sich bekanntlich mit den Roten Khmer verbündeten.
1971 gewinnen die von Nordvietnam und China unterstützten Roten Khmer die Herrschaft über den größten Teil Kambodschas.
Bis 1972 zählte die Bewegung bereits etwa 50 000 kampffähige Personen. Ein hoher Teil davon rekrutierte sich aus Kambodschanern, die in Südvietnam lebten und vor allem von Vietminh-Truppen in die Bewegung integriert wurden. Diese umfassten insgesamt um die 450 000 Menschen, ein ziemlich beachtliches Potential.
Ab 1973 kämpften die Roten Khmer, vom Vietkong zu Guerillas ausgebildet, im Alleingang gegen Lon Nol, die Roten Khmer begannen ungeliebte Elemente in der Einheitsfront (Funk) zu isolieren und auch zu eliminieren.
Trotz massiver militärischer Unterstützung durch die USA wurde 1975 das Lon Nol Regime von den Roten Khmer besiegt.

Machtergreifung bis Ende des Terrorregimes (1975-79)
Am 17. April 1975, kurz bevor Saigon in die Hände Nordvietnams fiel, nahmen die Roten Khmer unter Pol Pots Führung Phnom Penh ein. Die Demokratische Republik Kampuchea wurde ausgerufen und Norodom Sihanouk als Staatsoberhaupt eingesetzt.
Der Terror wurde jedoch nicht von allen Khmer-Anhängern mitgetragen, Teile der Bewegung spalteten sich ab. Am 4. April 1976 wird Norodom Sihanouk wegen seiner Kritik am links-terroristischen Kurs der neuen Machthaber als Staatsoberhaupt abgesetzt und unter Hausarrest gestellt. Staatsoberhaupt wird Khieu Samphan, Pol Pot Regierungschef. In der Folgezeit wurden Regimegegner wie Monarchisten und Anhängern des Lon-Nol-Regimes verfolgt, es begann die völlige Abschottung Kambodschas nach außen. Pol Pot´s Regierung wurde von der UNO anerkannt. Außenpolitisch verfolgte die Regierung einen antivietnamesischen Kurs. Der nationale Gedanke war in beiden Ländern stärker als ideologische Gemeinsamkeiten. Unter Führung Pol Pot´s wurde die gesamte städtische Bevölkerung zwangsweise auf das Land umgesiedelt. Die Roten Khmer versuchten, Kambodscha von jeglichem Fremdeinfluss fern zu halten, schafften das Geld ab, richteten Regimegegner hin, unternahmen groß angelegte wirtschaftliche Umformungen nach den Richtlinien von Chinas Großem Sprung nach vorn.
1978 begann Pol Pot, den Süden Vietnams anzugreifen. Er wollte Gebiete zurück erobern, die ehemals von Kambodschanern bewohnt gewesen waren. Am 25. Dezember 1978 marschierten Truppen des wiedervereinigten Vietnam in Kambodscha ein, um das Pol-Pot-Regime zu stürzen und eine vietnamfreundliche Führung zu installieren. (-> 3. Indochinakrieg)
Am 8. Januar 1979 stürzt die „Einheitsfront für nationale Rettung“ mit Unterstützung der inzwischen in Phnom Penh einmarschierten Vietnamesen das Pol-Pot-Regime, in etwa 2 Wochen nach Kriegsbeginn. Chef einer neuen Regierung wurde Heng Samrin, der am 11. Januar 1979 die „Volksrepublik Kampuchea“ ausrief, und einen gemäßigten Kommunismus einführte.
Der Westen sah diesen Akt als Eingriff in die Selbstbestimmung freier Völker.

Pol Pot ging in den Untergrund und Norodom Sihanouk ins Ausland, sie bewahrten den Sitz Kambodschas in den Vereinten Nationen.
Es folgten Guerilla-Aktionen der Roten Khmer unter Khieu Samphan, besonders im Gebiet um Battambang, an der Grenze zu Thailand, und weiteren Guerillagruppe der Republikaner, und der Altroyalisten unter Prinz Sihanouks Sohn. Der Bürgerkrieg ging weiter. Finanziell wurden die Roten Khmer von China und die Republikaner von den USA unterstützt. Fast alle vietnamesischen Truppen wurden im September 1989 aus Kambodscha abgezogen. Im Oktober 1991 wurde ein Friedensabkommen unterzeichnet, das eine UN-Übergangsverwaltung und einen Obersten Nationalrat, dem die meisten Splittergruppen angehörten, vorsah. Sihanouk kehrte nach Kambodscha zurück und trat das Amt des Staatspräsidenten an. 1992 kam es immer wieder zu Gewalttaten, die von den Roten Khmer angezettelt wurden. Im Mai 1993 gab es die ersten seit 1972 abgehaltenen Wahlen in einem Mehrparteiensystem, die Roten Khmer boykottierten die Wahlen. Im September 1993, nach der Verabschiedung der neuen Verfassung, wurde Sihanouk zum König berufen. Die Roten Khmer setzten ihren Widerstand gegen die Koalitionsregierung fort, sie führten bis 1995 Gewaltakte durch, es wurde jedoch bekannt, dass die Bewegung schrumpfte und demoralisiert war. Im September 1996 schlossen die kambodschanische Regierung und abtrünnige Rebellen der Roten Khmer ein Friedensabkommen, nachdem mehrere Rebellenchefs mit der Khmer-Führung gebrochen hatten. Im November 1996 wurde entschlossen Kambodscha als Vollmitglied in den südostasiatischen Staatenverbund aufzunehmen. Die Entschließung wurde aber nicht wie geplant im Sommer 1997 in die Tat umgesetzt. Im Juli 1997 entmachtete Hun Sen seinen Rivalen, nachdem er ihn der Vorbereitung eines Bürgerkrieges beschuldigt hatte. Seit dem Putsch Hun Sens sind nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mehr als 90 politische Morde an Gegnern Hun Sens dokumentiert. Am 20. April 1998, 2 Tage nach Pol Pot´s tot, brach die kambodschanische Regierung die Friedensgespräche mit den noch kämpfenden Roten-Khmer-Einheiten ab. Anfang Mai 1998 konnten dann kambodschanische Regierungstruppen die Rebellen der Roten Khmer von ihrem letzten Stützpunkt entlang der nördlichen Grenze zu Thailand vertreiben (Hügel 200).
Die Führer der Roten Khmer, Khieu Samphan und Nuon Chea, kapitulierten am 25. Dezember 1998. Anfang Februar 1999 wurden auch die letzten Verbände der Roten Khmer aufgelöst und/oder in die Armee eingegliedert.

Terrorherrschaft
Zwischen 1975 und 1979 waren die Roten Khmer Machthaber im Land und brachten während dieser Zeit zwischen 1,2 und 2 Millionen Menschen direkt oder indirekt um. Die Schätzungen über die Zahl der Menschen, die unter der Herrschaft Pol Pots und seiner Schergen ums Leben kamen, schwanken erheblich. Die von Vietnam eingesetzte Regierung in Phnom Penh bezifferte sie auf 3 Millionen, Amnesty International von 1,4 Millionen. Das State Department (USA) 1,2 Millionen und Khieu Samphan und Pol Pot gehen immerhin noch von 800.000 bis 1 Million Toten aus. Das bedeutet, dass, von den seriöseren Angaben ausgehend, von 1975 bis 1979 zwischen 10 bis 30 Prozent der damaligen Bevölkerung direkt oder indirekt getötet.
Zwischen 200 000 und 500 000 - fielen direkt den Terror der staatlichen Repressionsorgane zum Opfer. Der größte Teil starb an Hunger, Erschöpfung, an heilbaren Krankheiten. Dies war sozusagen von den Roten Khmer gewollt.
Nach der Eroberung von Phnom Penh befahlen die Roten Khmer den Bewohnern binnen 48 Stunden die Hauptstadt zu verlassen, da die Amerikaner Bombenangriffe als Vergeltungsmaßnahmen planen würden. Es gab keine Ausnahmen, selbst die Krankenhäuser wurden evakuiert. Wer nicht gehorchte, wurde auf der Stelle erschossen.
So berichtete ein Augenzeuge über den 17.4.1975
Am Montag, kurz nach acht, betraten die ersten Soldaten der Roten Khmer die Stadt. Wir begrüßten sie mit ehrlicher Freude und tiefer Ergriffenheit. Von allen Seiten riefen die Leute, „Sieg", „Freiheit", „Friede". Wir hießen sie willkommen, aber sie beachteten unsere Freundschaftsbezeugungen nicht. Sie gingen in Reihen hintereinander, stumm - die meisten waren noch Kinder. Sie machten düstere und finstere Gesichter. Vielen von uns lief ein Schauder über den Rücken. Wir hatten uns doch nichts zuschulden kommen lassen?"
Unter unmenschlichen Bedingungen wurde die Stadtbevölkerung zu harter landwirtschaftlicher Arbeit gezwungen, das betraf selbst die Kranken aus den Hospitälern sowie Kinder und Alte. Sie mussten Reis pflanzen, neues Land urbar machen und Kanäle bauen. Ihre Ideologie war die bedürfnislose Gleichheit der Menschen und ihr Ziel, Kambodscha in einen Agrarstaat zu verwandeln.
Familien wurden getrennt und in unterschiedlichen Lagern untergebracht. Nur kleine Kinder unter 6 Jahren durften bei ihren Müttern bleiben. Wer nicht hart arbeitete, sich über seine Lebensbedingungen beschwerte, sich selbst Gemüse anbaute oder unerlaubte sexuelle Beziehungen einging wurde getötet. Die Soldaten verwendeten oft die bei der Feldarbeit eingesetzten Spitzhacken um Gewehrkugeln zu sparen. Die Menschen litten unter grausamem Hunger, doch war alles Essbare Eigentum des Volkes, und jeder „Diebstahl" wurde sofort mit der Höchststrafe geahndet.
Ein Augenzeuge berichtete: „An einem Morgen kletterten zwei etwa 13jährige Jungen auf einen Mangobaum, um sich ein paar reife Früchte herunterzuholen.
Da krachten Schüsse aus einem Maschinengewehr, und zwei tote Kinder fielen zu Boden. Der Soldat, der so kaltblütig geschossen hatte, war nur wenige Jahre älter als seine Opfer. Die Eltern durften ihre toten Kinder nicht einmal begraben
."
Das einzige Nahrungsmittel, das nicht als Volkseigentum galt, waren Frösche und Ratten durch deren Verzehr viele den sicheren Tod entkamen. Die extremen Lebensbedingungen auf dem Land, die langen Märsche unter tropischer Hitze und die harte körperliche Arbeit setzten schwer zu. Die dürftige Nahrung und die schlimmen hygienischen Bedingungen taten ein Übriges. Die Menschen starben an Schlangenbissen, Durchfall, besonders an Malaria. Medikamente gab es so gut wie keine.
Khieu Samphan sagte: „Wir werden die erste Nation sein, die sich in eine perfekte kommunistische Gesellschaft verwandelt, ohne dabei durch Zwischenschritte Zeit zu verschwenden."
Das Post- und Kommunikationswesen wurden abgeschafft, Bücher verbrannt, Schulen geschlossen, sogar Geld verboten. Maschinen entsprachen nicht der Vorstellung eines archaischen Staates und wurden daher zerstört.
Die Ausübung von Religion (Buddhismus und Islam) wurde verboten, jeder der seine Religion offen ausübte, wurde erschossen. In Artikel 20 der Verfassung des Demokratischen Kambodschas war die Glaubensfreiheit garantiert, aber gleichzeitig alle reaktionären Religionen verboten.
Vor 1975 wurde der Buddhismus toleriert, da er in den befreiten Gebieten nützlich war, die gläubige Landbevölkerung hinter den Roten Khmer zu vereinigen. Nach dem Fall Phnom Penhs änderte sich die Politik, und die 40.000 bis 60.000 buddhistischen Mönche wurden als Parasiten der Gesellschaft bezeichnet und ebenfalls in Arbeitsbrigaden aufs Land geschickt. Die Pagoden, kulturelles und religiöses Zentrum der Khmer, wurden geplündert und zerstört, Buddhastatuen geköpft und in Seen und Flüssen versenkt.
Auch die dem Islam angehörige Minderheit der Cham entkam dem Holocaust nicht. Ihre religiösen Führer wurden hingerichtet, die Moscheen dem Erdboden gleichgemacht, die Menschen wurden gezwungen, ihre Religion abzuschwören und Schweinefleisch zu essen.
Jeder „Intellektuelle", daher jeder, der eine Fremdsprache beherrschte, studiert hatte oder auch nur eine Brille trug, wurde verfolgt und oft ermordet.
Der im Süden der Hauptstadt gelegene Bereich war das Verhör- und Folter-Zentrum der Roten Khmer. 160.000 Menschen sind dort zu tote gekommen. Die Überlebenden wurden zur Exekutionsstätte Choeung Ek gebracht, der berüchtigten „Killing Fields“. So kann man sich vorstellen, wie knapp zwei der sechs Millionen Bewohner dem Wahn zum Opfer vielen. Nach dem Ende ihrer Herrschaft gab es zum Beispiel nur noch 3.000 Lehrer im gesamten Land, die Medizinische Versorgung war so gut wie nicht mehr vorhanden.
Verfolgt wurden auch die, schon seit Generationen im Land lebenden, Vietnamesen. Motiviert durch nationalistische Argumente, leiteten die Roten Khmer ihren Hass auf diese Minderheit, Frauen, Männer und Kinder wurden Opfer des mordens.
Gelenkt wurde alles von einer dubiosen Führung, die sich Angkar nannte. Sie bestand aus den Kadern der Roten Khmer, doch die Menschen wussten nicht, wer sich dahinter verbarg. Angkar, so erzählte man der Bevölkerung, lenke alles, wisse alles und sei unfehlbar. Jeder Lagerleiter berief sich bei seinen Entscheidungen auf die Anweisung Angkars, wodurch er sich der persönlichen Verantwortung entziehen konnte. Angkar sah alles, Angkar wußte alles, und Angkar musste bedingungslos gehorcht werden.
Die Regierung brach jeglichen Kontakt zur Außenwelt ab, und nur wenigen Journalisten gelangen in die kambodschanischen Geiserstädte.
Die Roten Khmer propagierten den geschlossenen Handelsstaat, der auf Basis einer durch Nationalstolz gestützten Volksgemeinschaft, ein einfaches und gerechtes Dasein für alle ermöglichen sollte. Dadurch gab es auch eine Isolierung gegenüber dem Ausland, vor allem dem Nachbarland Vietnam. Die traditionelle Konkurrenz der kambodschanischen Eliten gegenüber ihren lange Zeit dominierenden vietnamesischen Rivalen wurde von den Roten Khmer an der Macht auf ein bis dahin nicht gekanntes Niveau getrieben. Dies machte sie für ihre Bündnispartner, China und später die USA, besonders attraktiv.
Pol Pot propagierte nationalistisch ausgelegte Geschichtsbetrachtung.
"Unser Volk war fähig, Angkor zu bauen, also kann es jede Aufgabe erfüllen", es wird "…eine neue Ära der Geschichte Kambodschas, noch glänzender als die Epoche von Angkor….."
Neben dem völkischen Nationalismus war die „Liebe zur Arbeit“ eine tragende Säule im Konzept der Roten Khmer. Arbeit wurde als eine kennzeichnende Qualität des menschlichen Wesens betrachtet.
Neue Frage »
Antworten »
    Foren-Übersicht -> Neuzeit